Vor 280 Jahren komponierte Georg Friedrich Händel sein bekanntestes Werk – das Oratorium „Der Messias“. Es handelt von Jesus Christus – seiner Geburt, seinem Tod, seiner Auferstehung. Das Werk beginnt mit einem alttestamentlichen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Tröstet, tröstet mein Volk – spricht euer Gott“. Das ist sozusagen das Motto des ganzen Oratoriums. Denn in ihm wird musikalisch und mit biblischen Texten erzählt, was Gott tut, um uns, seine Menschen, zu trösten, zu retten, uns zu helfen.

Dieser Text begegnet uns am morgigen Sonntag. Es ist eine der biblischen Lesungen zum 3. Advent. Was bedeutet „Trost“ eigentlich? Ist das nicht eher etwas für Kinder, die sich das Knie aufgeschlagen haben oder traurig sind, weil ihr Stofftier verschwunden ist? Nun, die Sorgen und Nöte eines Kindes müssen ernst genommen werden. Aber ebenso wie ein Kind, so brauchen auch wir Erwachsenen Trost. Es ist der Zuspruch, die Ermutigung, der Beistand in Zeiten, in denen es uns schlecht geht. Trost erfahren wir, wenn jemand an unserer Seite ist in schweren Stunden; wenn jemand unsere Nöte kennt und uns versteht; wenn wir erfahren, dass unser Leiden auch bei anderen schwer wiegt; wenn wir Unterstützung bekommen in der Überwindung dessen, was uns zusetzt.

So wie wir ein Kind trösten, so müssen auch wir getröstet werden. Gott selber verspricht uns diesen Trost! Er reißt den Himmel auf und kommt zu uns. Doch nicht als zerstörende Naturgewalt, sondern mit menschlicher Schutzlosigkeit. Gott wird Mensch. Er kommt zu uns, ganz nah, mit dem Pulsschlag unseres Lebens in unsere gebrochene Welt! Es ist der „Immanuel“, der „Gott mit uns“ in dem und mit dem Gott in unserer Welt erscheint und sie verändert. Dieser Gott will – ja: er WIRD! – bei uns sein! Bei den Geimpften und den Ungeimpften, in den Klassenzimmern und auf der Intensivstation, bei den Kranken und den Gesunden, bei den Genesenen und den Sterbenden, bei den Traurigen und den Fröhlichen, in unserem Klagen und in unserem Hoffen, an Weihnachten 2021 – und zu aller Zeit.

Georg Friedrich Händel wurde viel Geld angeboten, um sein Oratorium aufzuführen. Doch er nahm das Geld nicht an, sondern ließ seine Musik kostenlos erklingen. An dieser Trostmusik wollte er nichts verdienen. Sie sollte für die Armen und Kranken sein – umsonst, so wie Gottes Trost und seine Gnade.

„Tröstet, tröstet mein Volk – spricht euer Gott“.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 3. Advent!

Christoph Ruffer

Christoph Ruffer

Pfarrer an St. Martini in Minden

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