Sie ist schon eine ganze Weile vor Ort. Man kennt sich bereits, und die Familie ist schon lange da. Dennoch markiert der 25. Januar ein echtes Ankommen für Rahmadwati Yu-Riemer und für die Kirchengemeinde Hille: Am Sonntag wurde Pfarrerin Yu-Riemer offiziell in ihrer neuen Gemeinde eingeführt.

Für Rahmadwati Yu-Riemer war es ein langer Weg in den Mühlenkreis. Geboren wurde Hilles neue Pfarrerin 1972 auf Pulau Nias, einer Insel vor der Westküste Sumatras. Dort ist sie in der Hafenstadt Teluk-Dalam aufgewachsen und hat sich seit ihrer Kindheit in der örtlichen christlichen Kirche engagiert. Pulau Nias’ Bevölkerung ist seit der Ankunft rheinländischer Missionare im 19. Jahrhundert christlich geprägt, die überwiegende Mehrheit als Teil der Protestantischen Kirche auf Nias (BNKP).

Ihr theologisches Interesse brachte Pfarrerin Yu-Riemer 1993 zum Studium der evangelischen Theologie in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Nach ihrem Abschluss zur Jahrtausendwende war der direkte Weg in den Pfarrdienst jedoch schwierig, denn die Frauenordination war in der BNKP noch die absolute Ausnahme. So engagierte sie sich in verschiedenen indonesischen Kirchen und Schulen als Pfarrhelferin und Pädagogin.

Seit den frühen 2000er Jahren lebt Rahmadwati Yu-Riemer in Deutschland. Sie brachte sich anfangs in der Gemeinschaft indonesischer Christen in Deutschland (PERKI, Persekutuan Kristen Indonesia) ein und arbeitete als Dolmetscherin und Sprachlehrerin bei der Vereinten Evangelischen Mission, Nachfolgerin der Rheinischen Missionsgesellschaft. Über Münster nach Ostwestfalen und damit näher an die Hiller Heimat ihres Ehemanns kam sie nicht zuletzt durch ein Gemeindepraktikum in der Herforder Mariengemeinde.

Es war der erste Schritt auf ihrem Weg ins Pfarramt, vermittelt durch den Kirchenkreis Herford, die Vereinte Evangelische Mission und Dr. Christian Hohmann vom oikos-Institut für Mission und Ökumene der Landeskirche. Dessen Ehefrau, die Bad Oeynhausener Klinikseelsorgerin Pfarrerin Elsie Joy dela Cruz, hatte ein ähnlich komplexer Weg von den Philippinen in den westfälischen Pfarrdienst gebracht. Ihr Weg wurde für Rahmadwati Yu-Riemer zur Inspiration. Christian Hohmann freut sich über Pfarrerin Yu-Riemers Ankunft in Hille: „Es ist schön zu sehen, wie der Gemeinschaftsgedanke mit Leben gefüllt wird, durch Menschen aus den Mitgliedskirchen der VEM, die hier in unseren Gemeinden wirken.“

Aus dem Gemeindepraktikum wurde im Dezember 2022 der Probedienst in Laar, Herringhausen und Elverdissen, mittlerweile Teil der Kirchengemeinde Herford-Mitte-Land. Dort wurde Rahmadwati Yu-Riemer letztlich ordiniert. Für sie war es, in den Worten des Herforder Superintendenten Olaf Reinmuth, „ein experimenteller Weg“ bis zur Ordination als westfälischer Pfarrerin, „die lange überfällig war.“

Behalten hat sich Pfarrerin Yu-Riemer eine Begeisterung für den gelebten Glauben in der Gemeinschaft, wie er auch in der engagierten Gemeinde in Hille spürbar wird, und eine Leidenschaft für Musik. Schon seit ihrer Jugend singt sie im Chor. Auch das wissenschaftliche Interesse an theologischen Fragen motiviert sie, mit Promotionsforschung zum christlichen Gottesbild und dessen Rolle im interreligiösen Dialog. Der offene Dialog scheint ihre Haltung zu bestimmen, ob in der Predigt, im Zusammenspiel von traditionellen und neuen Formen des kirchlichen Lebens und in der Begegnung mit den Menschen in der Gemeinde.

Mit der Einführung von Rahmadwati Yu-Riemer als Pfarrerin in Hille endet nicht nur eine Phase der Unsicherheit für die Gemeinde, in der Vakanz nach dem Ruhestand von Pfarrer Peter Fischer. Pfarrerin Yu-Riemer bringt auch neue Impulse in die Gemeinde und die ganze Region, denn der Zukunftsprozess des Ev. Kirchenkreises Minden fördert das Denken über Gemeindegrenzen im Planungsraum Hille hinaus. Auf diese Impulse freut sich auch der Mindener Superintendent Michael Mertins, der Pfarrerin Yu-Riemer in ihre neuen Aufgaben einführte: „Frau Yu-Riemer ist mit ihrer kulturellen Prägung, mit ihrer fröhlichen Glaubenszuversicht und mit ihrer menschenfreundlichen Haltung eine Bereicherung nicht nur für Hille, sondern für den ganzen Kirchenkreis Minden.“