Freude schaut nach vorn

Als ich junger Pfarrer in Bergkirchen war, erinnerten sich die älteren Gemeindegliedern noch an Pfarrer Martin Lohmann aus Minden. Er war früher Vikar in Bergkirchen gewesen und dann am 4. Advent 1909 ordiniert worden. Später wurde er Pfarrer in St. Marien in Minden. Aber immer in der Adventszeit habe er an einem Sonntag in der Bergkirchener Kirche die frohe Botschaft verkündet: „Freut euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe!“ (Philipperbrief 4,4-5)

Dabei hatte Pfarrer Martin Lohmann nicht immer Grund zur Freude gehabt. Im ersten Weltkrieg wurde er als Soldat eingezogen und im November 1918 sehr schwer verwundet. Er überlebte knapp, behielt aber zeitlebens ein steifes Bein.  War die nahe Todeserfahrung und das neu geschenkte Leben vielleicht ein Grund, sich später gerne an die Freude aus dem Wochenspruch vom 4.Advent zu erinnern?

Es ist keine oberflächliche Freude, zu der am 4. Advent aufgerufen wird. Die hätte den Adressaten in der Bibel wenig genützt. Denn die christliche Gemeinde in Philippi befand sich gerade im Krisenmodus. Zu Einschränkungen waren sie genötigt durch eine Verfolgungswelle der römischen Besatzungsmacht. Auch Paulus, der ihnen diese Worte zusprach, schrieb gerade aus einer Gefängniszelle. Das hielt ihn aber nicht davon ab, seinen Kopf zu heben und mit aufrechter Haltung nach vorne zu schauen. Seine Augen sahen weit hinaus über alle augenblicklichen Einschränkungen auf Jesus. „Der Herr ist nahe!“  Er war sich sicher: Nicht mehr lange dauert es, und dann berührt der Himmel die Erde.

Nicht mehr lange dauert es und wir dürfen Weihnachten feiern. Ja, im Krisenmodus mit Einschränkungen, wie die Gemeinde in Philippi. Aber mit aufrechter Haltung und dem Blick nach vorne, weil ein Größerer auf uns wartet. Seine Nähe lässt uns durchhalten in Krisen. In diesem Jahr der Coronakrise ahne ich, warum Pfarrer Martin Lohmann sich immer in der Adventszeit berühren ließ von der Freude, die nach vorne schaut. Wer in der tiefsten Krise Kraft empfangen durfte durch den Glauben, ruft es gerne in die Welt hinaus: „Freut euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe!“

Pfarrer Eberhard Baade

Pfarrer Eberhard Baade

Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Bergkirchen

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