Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

… aber Glauben!

​Wer das liest, ist … glücklich! Denn du hast Freitag, den 13., überstanden. Und noch glücklicher bist du, wenn du jetzt sagst: „Wenn das mein größtes Problem ist, dann habe ich wohl keine Probleme. Ich habe keine Zeit, mich um solchen Aberglauben zu kümmern!“
Und dann stolpern wir in den Samstag und alle verpartnerten Menschen müssen für die bessere Hälfte einen Blumenstrauß kaufen. Müssen? Warum? Weil doch Valentinstag ist!
Karl oder Barbara Valentin? Oder etwas älter: Valentin von Terni oder der von Rom? Wenn man etwas nachforscht, dann entsteht der Eindruck: das ist fast so etwas wie ein Aberglaube, der den Blumenläden nützt. Oder bestenfalls eine schöne Legende.
Das aber ist ein wichtiger Unterschied zum Aberglauben: der macht Menschen Angst, lässt sie zwanghaft bestimmte Sachen tun und andere lassen.
Wegen der schönen Legende denken Menschen aneinander und drücken Gedanken und Gefühle in einem Geschenk oder einer Einladung aus. Wenn sie das nicht zwanghaft tun, dann ist das – gerade in unserer Zeit – ein Gewinn. Ein Grund, Gott dankbar zu sein, auch wenn es diesen Bischof, der auch Paare traute, denen es zu seiner Zeit nicht zustand, so nicht gegeben haben sollte. Denn Gott ist Liebe und schafft in sich einen Raum für ein geliebtes Gegenüber; und freut sich, wenn seine Geschöpfe sich gegenseitig mit Liebe beschenken und so das Leben weitergeben; und macht keine Angst, außer vielleicht der vor einem Leben ohne Liebe.
Gott ist Liebe und freut sich an der Liebe von Menschen, unabhängig von dem Religionseintrag auf der Lohnsteuerkarte. Und verleitet damit sein Bodenpersonal dazu, mit dem Segen großzügig umzugehen. So gibt es z. B. am Abend des Valentinstags in der Marktkirche zu Hannover eine „Candle-Light-Segnung“ …
Glauben heißt nicht, mehr oder minder rationale Aussagen für wahr zu halten. Glauben ist das Vertrauen darauf, dass die Liebe die Grundlage des Lebens ist und nicht das Recht des Stärkeren.
„Ich setze auf die Liebe. Schluss!“ (Hanns Dieter Hüsch)

Armin Backer

Armin Backer

Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien, Bezirk Albert-Schweitzer-Haus

Können Sie Winter?

​Jetzt liegt der Schnee schon erstaunlich lange für unsere Breiten. Das ist ja eigentlich ganz schön anzusehen. Der Winter hat seine Schönheiten. Aber wer hat schon Spaß beim Schneeschippen oder -fegen vor dem Frühstück. Die meisten tun es nur weil es eben sein muss. Natürlich kann das viel unangenehmer werden. Die täglichen Bilder aus der viel kälteren Ukraine, wo Heizung und Strom durch Angriffe immer wieder nicht da sind, erschrecken. Trotzdem sehnen sich auch hier inzwischen viele nach den Frühlingsvorboten. Die kurzen Tage werden schon wieder etwas länger. Aber trotzdem ist es kaum Nachmittag und schon dunkel. Winterblues? Vielleicht.
Er sendet sein Wort, da schmilzt der Schnee; er lässt seinen Wind wehen, da taut es. (Psalm 147, 18)
Nun hilft auch nicht, einen Psalmvers zu nehmen, um das lästige Schneeschippen zu vermeiden. Aber so ein Blick in das, was in den biblischen Psalmen steht, hilft ein wenig über den Winterblues. Was Gott zu sagen hat, ist mehr als dunkle Winterzeit.
Ich freue mich auf den Frühling.

Hendrik Rethemeier

Hendrik Rethemeier

Vertretungspastor im Kirchenkreis Minden

„Du sollst fröhlich sein“

Nicht nur, liebe Leserinnen und Leser, weil der Karnevalsmonat am morgigen Sonntag beginnt, freue ich mich, über den Monatsspruch für den Februar: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über all das Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)
Ein maximaler Kontrapunkt gegenüber allem, was uns sonst so zuallererst auf unserem Gedanken-Desktop aufleuchtet: Gegenüber der zerstrittenen Gesellschaft, einer Welt voller Machtgier, Völkerrechtsvergehen, Machismo, Kriegen und Gewalt, gegenüber unseren Zukunftsängsten und der bedrohlichen Klima-Wende.
Du sollst fröhlich sein; eher nicht weil mit Humor ohnehin alles besser geht, sondern weil es ja in unserem Leben auch so unendlich viel Gutes und Dankeswertes gibt. Das ist ein sogar therapeutischer Rat, sich mal hinzusetzen und sich zu fragen: für welche drei kleinen Dinge am heutigen Tag kann ich denn dankbar sein?
Ja, verdächtig in diesem Bibelvers klingt es schon, wenn von der „Familie“ die Rede ist, aber warum eigentlich? Ist dabei der Rat denn schon eingeschlossen, sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung zurückzuziehen?
Ich finde nicht, denn über das Familiäre hinaus gibt es doch auch noch so viel „Wonder“-bares in dieser Welt.
Vor gut vier Jahren hat Michael Patrick Kelly mit dem Rapper Rakim den Song „Wonders“ veröffentlicht. „I see wonders in a broken world“, heißt es darin. Wunder in einer zerrissenen Welt, verborgen unter allem Dreck, mitten in Sorgen und Elend:  Menschen, die füreinander einstehen, Integration fördern, Frieden suchen, einander helfen, Kinder tanzen Hand in Hand über eine dunkle Steinwüste im dazugehörigen Video. Das alles sind in der Tat „Wunder“, und die kommen „von oben“… Grund genug, auch mal fröhlich zu sein, oder?

Volker Niggemann

Volker Niggemann

Pastor an St.-Matthäus, Minden