Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Gedanken zum Sonntag, den 04.01.2026
Haben Sie schon mit jemanden Streit gehabt, so einen richtigen?
Wenn nicht, so brauchen Sie weiter nicht zu lesen, die Andacht wird Ihnen nichts zu sagen haben.
Wenn aber eine solche Erfahrung Ihnen nicht fremd ist, dann lesen Sie bitte weiter, der Text wird Sie zunächst mächtig irritieren, vielleicht sogar ärgern, aber am Schluss werden Sie eine wunderbare Befreiung erleben.
Es soll ja Menschen geben, die über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, man soll sich nichts gefallen lassen. Es gibt einen Spruch in der Bibel, der eine gute Werbung für die Rechtsschutzversicherung sein könnte, der beginnt mit den Worten: Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse. Also lass Dich nicht vom Bösen überwinden, „sondern schließe eine Rechtsschutzversicherung ab“. Dann wird der Übeltäter schon sehen, was er davon hat.
ABER NEIN, es heißt: „sondern überwinde das Böse mit Gutem“.
Eine Zumutung – wir werden zur Barmherzigkeit aufgerufen. Die Barmherzigkeit ist eine liebliche Sache, wenn Sie uns selbst gilt. Aber was ist, wenn die Barmherzigkeit jemanden gelten soll, der uns Böses tut? Dann legen wir meistens keinen Wert auf Barmherzigkeit, sondern verlangen Gerechtigkeit. – Und gerade hier spielt Gott nicht mit. „Und vergib uns unsere Schuld“…
Wir haben im Umgang mit erlittenem Bösen zwei Möglichkeiten: Die Vergebung zu verweigern und sich dadurch an den Übeltäter zu binden. Er kann tausende Kilometer von uns entfernt sein und steht trotzdem mit der Peitsche an unserem Bett und raubt uns die Ruhe und den Schlaf und damit auch die göttliche Vergebung unserer Schuld.
Oder wir können dem Übeltäter die Vergebung, auf die er wahrscheinlich keinen Wert legt, einfach hinterherwerfen, damit von der Bitterkeit frei werden und Frieden mit Gott erlangen.
Lass Dich nicht vom Bösen überwinden – man hat seinen Widersacher erst dann wirklich überwunden, wenn man seine Freundschaft gewonnen hat. Dazu brauchen wir die Kraft von oben, aber die kriegen wir. Mit unserer Macht ist nichts getan.

Daniel Brüll
Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Petershagen
Und das Wort ist Fleisch geworden…
War Jesus Christus eigentlich Sportler? Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass er in seiner Kindheit mit anderen Kindern gespielt hat und herumgetollt ist, handelt es sich doch um eine spekulative Frage. Wir wissen es einfach nicht. Wir können wohl sagen, dass Jesus den Beruf seines Adoptivvaters, des Hl. Josef, erlernt hat und mit seiner Hände Arbeit zum Lebensunterhalt der Hl. Familie beigetragen hat. Er hat sich für das tägliche Brot angestrengt.
Weihnachten sagt uns, dass der Sohn Gottes aus der Jungfrau und Gottesmutter Maria Mensch geworden ist. Er, der wie der Vater und der Hl. Geist immer Gott war, ist und bleiben wird, ist vor 2000 Jahren einer von uns geworden. Er ist mir in allem gleich geworden außer der Sünde. Er hat sich bei seiner handwerklichen Arbeit angestrengt. Er hat nicht die Mühe der langen Wege durch das Heilige Land gescheut, um das Reich Gottes zu verkünden und Wunder zu wirken. Wenn wir uns bei unseren täglichen Aufgaben im Haushalt, im Beruf aber auch beim Sport und in der Freizeit anstrengen, erfahren wir, was es bedeutet, dass das Wort (der Sohn Gottes) Fleisch (Mensch) geworden ist. Gott, der Sohn wird einer von uns. Was uns Kraft kostet, hat auch Jesus Kraft gekostet. So nah kommt Gott dem Menschen, so sehr liebt er mich, dass er nicht einmal Krippe, Kreuz oder Grab scheut. Aus Liebe zu mir nimmt er das alles auf sich, damit seine Auferstehung von den Toten auch für mich ewiges Leben bedeutet. Wenn ich also das nächste Mal zuhause, im Beruf oder im Sport schufte, darf ich wissen, dass auch der Sohn Gottes aus Liebe zu mir geschuftet hat und dass er bei mir, an meiner Seite bleibt.
Ja, das Wort ist wirklich Fleisch geworden „und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1,14)

Pastor Christian Bünnigmann
Seelsorger im Pastoralverbund Mindener Land
Hauptsache gemeinsam
Weihnachten ist für mich schon von Kindheit an ein Familienfest. Heiligabend Kernfamilie. Erster Feiertag zum einen Teil der Familie. Zweiter Feiertag zum anderen Teil. Die Wohnzimmer waren geschmückt und vor allem voller Menschen. Voller Menschen, die mit mir verwandt waren. Ich erinnere mich gern an die völlig überfüllte Garderobe. An das leckere Essen. Alle waren etwas schicker als normal. Alle waren gut gelaunt. Zumindest hat sich das für mich als Kind so angefühlt. Mein Opa spielte auf dem Schifferklavier viel zu viele Lieder, meiner Meinung nach. Wir Kinder wollten schnellstmöglich zur Bescherung übergehen aber Opa musste wenigstens noch ein Lied singen. Die Erwachsenen hatten sich furchtbar viel zu erzählen. Wir Kinder haben immer wieder was Neues gefunden, was als Spielzeug herhalten musste.
Mittlerweile ist kein Wohnzimmer mehr groß genug, um alle unterzubringen, so dass andere Lösungen gefunden wurden. Aber dieses Gefühl bleibt. Weihnachten ist Familienfest. An Heiligabend mit der eigenen Kernfamilie. Nur muss Papa halt immer arbeiten an Weihnachten. Noch schnell vorher die Kostüme fürs Krippenspiel rauslegen. Nachschauen, dass die richtigen Liedzettel ausliegen. Am 24.12. ist immer was zu tun. Darum gibt’s nach den Gottesdiensten Essen, was man gut vorbereiten kann. Käseplatte mit Baguette und leckeren Dips. Und natürlich, in Erinnerung an die Zeit in Nordhessen, Ahle Wurscht. Süßigkeiten gibt es, wie in so vielen Häusern an Weihnachten im Überfluss und am Baum hängt eine Weihnachtsgurke. Wer die als erstes findet, der darf das erste Geschenk öffnen.
Bei allem gilt, den Geburtstag von Jesus feiern wir gemeinsam. Die Gemeinschaft ist wichtig. War sie schon damals in Bethlehem. Da war auch viel los in dem Wohnzimmer oder besser gesagt dem Stall. Maria, Josef und Jesus als die Kernfamilie waren zusammen. Aber dann waren da ja noch die Tiere, die eigentlich im Stall wohnten. Und dann kamen auch noch Fremde dazu. Hirten, die man eigentlich nicht so einfach ins Haus lässt. Vermutlich noch das ein oder andere Schaf. Sterndeuter kommen auch noch dazu und damit war die Hütte sicher schon mehr als voll. Kuschelig. Eine bunte Mischung, die man sonst nie zusammen sehen würde. Danach wohl auch nicht mehr gemeinsam gesehen hat. In dieser Nacht gehören sie alle zusammen. Feiern gemeinsam dieses besondere Kind, von dem sie gehört haben. Dass sie zusammengeführt hat.
Jesus schafft Gemeinschaft. Jesus schafft Zusammenhalt. Schon allein dadurch, dass er einfach nur da war. In dieser Nacht hat er noch gar nichts getan. Er konnte ja noch gar nichts tun. Er war ein Baby. Ein echtes menschliches Baby. Die können noch gar nichts. Doch Jesus schafft Gemeinschaft. Eine, die über diese Nacht hinausreicht. Bis heute noch. In unser Wohnzimmer. Nicht nur an Heiligabend. Das ist für mich einer der bedeutendsten Weihnachtsgedanken. Gemeinschaft. So bedeutend, dass selbst Menschen, die überhaupt nichts mehr mit Glauben am Hut haben, das spüren. Weihnachten möchten man nicht alleine sein. Die meisten jedenfalls nicht. Weihnachten rauft man sich auch mal zusammen. Selbst wenn der komische Onkel auch da ist, der immer Witze erzählt, die keiner versteht. Weihnachten versucht man es wenigstens und so manches Mal klappt es tatsächlich.
Und es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, wie diese Gemeinschaft gestaltet wird. Mir ist dieses Jahr eine Tradition über den Weg gelaufen, die ich zwar kannte, aber irgendwie noch nie umgesetzt habe. Das soll sich jetzt ändern. Die Ugly-Christmas-Sweater. Im Grunde sind das einfach nur möglichst hässliche Pullover. Also so hässlich, dass sie schon wieder schön sind. Aber gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Sagen wir Oberbekleidung, die etwas heraussticht aus der aktuellen Mode. Auf diesen Kleidungsstücken ist viel los. Reihen von Rentieren wechseln sich mit Reihen von Weihnachtskugeln ab. Es kommen so viele Farben vor, wie man sie in dieser Nähe sonst nur aus einem Tuschkasten kennt. Da sind Lebkuchen, Stiefel und so ziemlich alles, was mit Weihnachten zu tun hat, vereint auf einem Pullover. Manchmal gepaart mit Sachen, die überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben. Da steht dann auch schonmal Meister Yoda neben Darth Vader am Weihnachtsbaum. Oder der Hauself Dobby verschenkt Socken. Oder etwas ganz anderes.
Aber das macht gar nicht die Gemeinschaft aus. Die Gemeinschaft entsteht dadurch, dass die ganze Familie Pullover trägt, die normalerweise nicht zum modischen Repertoire gehören. Man sich vielleicht auch selbst nicht ganz so ernst nimmt. Bei uns im Haus sollen diese Ugly-Christmas-Sweater also dieses Jahr einziehen. Und schon das Aussuchen hat großen Spaß gemacht. Jeder hat versucht den anderen an Hässlichkeit zu übertreffen. Sich immer wieder gegenseitig Fotos davon geschickt, was noch alles möglich ist. Bis man sich letztendlich auf Pullis geeinigt hat, die die Grenze zwischen hässlich und schick einfach verschwimmen lassen.
Und das gemeinsam. Das gibt Mut. Das gibt das Gefühl dazuzugehören. Gemeinschaft. Sinnbildlich für die Gemeinschaft damals im Stall. Die ausgeht von dem besonderen Kind und sich überträgt auf die verschiedensten Charaktere in dieser Nacht, die zum Großteil wohl auch nicht sehr modisch gekleidet waren. Und sich überträgt, eben auch auf mich. Auf die Menschen heute. Auch nach so vielen Jahren suchen Menschen immer noch nach Gemeinschaft. In der Weihnachtszeit ganz besonders.
Ich glaube fest, dass Gott uns immer noch Gemeinschaft schenkt. Dass er uns danach suchen lässt und sich selbst im Zusammenhalt finden lässt. In den Feiern, die wir ausrichten. Den Keksen, die wir verschenken. In den Gesprächen, die wir führen. Und auch in den hässlichen Pullovern, die wir gemeinsam tragen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Oliver Jusek
Pfarrer, Ev.-Luth. St.-Jakobus-Kirchengemeinde