Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Gedanken zu Palmsonntag
Liebe Leserinnen und Leser,
der morgige Sonntag heißt Palmsonntag. Er trägt seinen Namen nach der biblischen Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Menschen stehen am Stadttor und auf den Straßen und jubeln. Sie legten Palmzweige und bunte Kleider auf den Weg. Jetzt kommt er, der Gottessohn, der Messias. Jetzt beginnt eine neue Zeit! Frieden und Freiheit statt römischer Besatzung, Gerechtigkeit, das Ende der Not. Er kommt im Namen Gottes. Das waren hohe Erwartungen an Jesus. An ihm schieden sich die Meinungen: Du bist der Sohn Gottes. Du bist ein Scharlatan, ein Unruhestifter. Er hat mich geheilt. Seine Worte berühren mich. Er erzählt von Gott, wie keiner vor ihm. Er befreit unser Volk. Seine Familie hielt ihn für verrückt. Andere sagten sogar, er sei mit dem Teufel im Bunde. Wer bist du also? Vor allem – wer bist du für mich?
In unserer Zeit kommt eine Gleichgültigkeit hinzu. Jesus, christlicher Glaube? Was soll ich damit, interessiert mich nicht, ist mir egal. Die christlichen Kirchen verlieren an Bedeutung und Akzeptanz. Kaum mehr als die Hälfte der Menschen in unserem Land gehören einer christlichen Gemeinschaft an. Ist damit die Botschaft erledigt?
Dass sich Güte und Barmherzigkeit lohnen. Dass das Leben mehr ist als das, was wir in unsren Taschen nach Hause tragen? Dass Gott eine neue Qualität von Leben verspricht? Dass am Ende nicht die Skrupellosen, Brutalen und Totschläger triumphieren, sondern Gott selbst. Dafür bürgt Jesus mit seinem Namen. Dafür bürgt seine Auferstehung von den Toten. Und das gibt dem Glauben auch etwas Trotziges. Diesem Glauben gegen den Augenschein, gegen eine Welt, die uns weiß machen will: Gott und der Glaube haben sich erledigt. Da bin ich doch gerne trotzig.

Dieter Maletz
Pfarrer aus Oberlübbe - Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde An der Bergkante
Der Kampf für die Freiheit – oder: für andere den Kopf hinhalten
Ende November 2025 – Während einer Reise durch die Westukraine sind wir in Lviv, dem ehemaligen Lemberg, zu Besuch. Die gemütliche Atmosphäre dieser alten galizischen Metropole, der kulturelle Reichtum der Stadt, die Gastfreundschaft der orthodoxen Gemeinde und die angeregten Gespräche über Hilfsprojekte und die Zukunft der Ukraine im europäischen Kontext schenken uns bald das Gefühl, dort in der Fremde zu Hause zu sein. Bei der Tour durch die Innenstadt stehen wir auf dem „Ehrenfeld“, dem Friedhof für die Kriegsopfer aus Lviv. Im Februar 2022 war hier noch eine weite Stadtpark-Wiese. Jetzt sehen wir über 1000 Gräber, die meisten mit Fotos der Verstorbenen. Es sind fast alles junge Menschen, die in die Kamera lächeln. Die neuen Fahnen auf den Gräbern und das Meer an frischen Blumen lassen eine tägliche Grabpflege der Angehörigen vermuten.
Wir stehen vor dem Grab von Irina Tschubuch. Sie war Sanitäterin und Journalistin. Später erfahren wir, sie hätte bereits 2014 bei der Krim-Annexion als 14-jährige Jugendliche ehrenamtlich verletzte ukrainische Soldaten versorgt. Nach der russischen Invasion hatte sie diese Arbeit fortgesetzt und Kriegsopfer von der Front zu bergen geholfen. Die Gefahr ihrer Arbeit war ihr bewusst. In einem Brief an ihren Bruder beschreibt sie das Motiv ihres Einsatzes:
„Um die Kraft zu haben, ein freier Mensch zu sein, muss man mutig sein. Denn nur die Mutigen finden Glück. Es ist besser, im Kampf zu sterben, als zu verrotten.“
Irina Tschubuch hatte sich für ein freies Leben entschieden. Ein Leben unter der russischen Invasion wäre für sie ein fauler Kompromiss gewesen. Ihr unbewaffneter Einsatz für die Opfer der Invasion zeigt eine unüberwindliche Stärke. Der Machtgier wird eine klare Grenze gesetzt. Für ihre Schutzbefohlenen war ihr gefährlicher Einsatz eine lebensrettende Hilfe.
Es gibt Menschen, die stellvertretend für andere den Kopf hinhalten und damit etwas Großes schaffen. Wie der Gottesknecht, von dem vor 2500 Jahren gesungen wurde: „Er trug unsere Krankheiten und lud auf sich unsere Schmerzen… Wegen unserer Verfehlungen ist er verwundet, um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten. Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53, 4-5)
Die vielen verletzten Frontsoldaten, die Irina Tschubuch ihr Leben verdanken, werden dieses alte Jesaja-Lied für sie singen können.
Ende Mai 2024 stirbt Irina Tschubuch bei einem russischen Angriff. Ihr Leichnam wird in ihre Heimatstadt Lviv überführt. Menschen stehen an den Straßenrändern und gehen spontan in die Knie, um dieser Freiheitskämpferin ihren Respekt zu zeigen. Russische Präsidenten werden kommen und gehen. Doch über ihren Dienst für die Freiheit werden die Menschen in Lviv und überall in der Welt noch in hundert Jahren erzählen.

Frieder Küppers
Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Marien
Kirche im Glas
Meine Frau ist oft beruflich unterwegs zu christlichen Konferenzen und wenn sie heimkommt, hat sie meist ein nettes Mitbringsel für mich. Aus dem Süden Deutschlands erhalte ich z. B. oft eine Tüte mit frischen „echten“ Laugenbrezeln.
Doch kürzlich war ich verwundert: Sie präsentierte mir ein kleines Glas mit der Aufschrift „Kirche im Glas“. Erst dachte ich, es wäre ein Druckfehler, denn schließlich heißt unsere Gemeinde in Minden „Kirche am Glacis“.
Der Inhalte des Glases entpuppte sich als eine Sauerteigkultur im Trockenzustand, frei nach dem Jesuswort an seine Jünger im Matthäusevangelium 13,33: „Man kann Gottes himmlisches Reich mit einem Sauerteig vergleichen, den eine Frau zum Brotbacken nimmt. Obwohl sie nur wenig davon unter eine große Menge Mehl mischt, ist am Ende alles durchsäuert.“
Jesus erzählt in diesem Gleichnis davon, dass sich das Reich Gottes immer weiter ausbreitet und alles durchdringt.
Dieses Bild ist bis heute Ansporn für die christliche Kirche. Was kann ich dafür tun, dass sich Barmherzigkeit, Liebe und Freundlichkeit ausbreiten und damit auf den guten Gott hinweisen? Wie kann ich anderen das Beste unterstellen und wertschätzend mit Menschen umgehen?
Die Osterfeiertage zeigen uns, dass Gott selbst damit angefangen hat, das Gute zu tun: Jesus trägt unsere Schuld und Verfehlungen (Karfreitag), wird auferweckt (Ostern) und überwindet damit die Grenze des Todes. Deshalb sind alle, die an Jesus Christus glauben, Hoffnungsmenschen.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir in diesen Tagen Hoffnungsmenschen begegnen und auch selbst die Liebe Gottes unseren Mitmenschen gegenüber zeigen können.
Besuchen Sie gern einen der vielen Passions- und Ostergottesdienste, Messen oder Andachten in unseren Kirchen, um die christliche Hoffnung mit anderen zu feiern.

Olaf Mohring
Pastor der Kirche am Glacis, Minden