Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

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Heute geht wieder alles drunter und drübert: die Kinder krank, die Heizung kaputt, auf dem Schreibtisch häufen sich die Berge, die Waschmaschine läuft ununterbrochen – und dann kommt die Mail einer Kollegin mitit herzlichen Grüßen. Sie wünscht eine gemütliche Winterzeit.

Jetzt eine Tasse Tee, dazu ein Buch vor die Nase, der Tag wäre gerettet. Aber die Arbeit macht sich nicht von alleine. Eine App fragt mich. „Wo brauchst du Hilfe?“ An Tagen wie diesen eindeutig beim Zeitmanagement.

Die App meldet sich schon wieder: „Wer zahlt deinen Erfolg?“ Die Kinder, denke ich spontan. Ich sollte mehr Zeit für sie haben. Aber dann nehme ich mir doch Zeit zum Nachdenken. Ich wundere mich über die App, gesponsert von einer Kirche. Sollte sie mich nicht zu Gott führen, mich in meinem Glauben bestärken?
Und dann setze ich mich doch hin, die Kinder sind längst im Bett, und komme langsam zur Ruhe. Am Abend geht, was mir in der Hektik am Tag kaum gelingt.

Ganz von allein wandern meine Gedanken zu Gott. Wie er wohl meinen Tag beurteilt mit allem, was ich geschafft habe? Mit allem, was unerledigt geblieben ist?

Ich zünde eine Kerze an, mache es mir wirklich gemütlich.Die Fragen der App fallen mir wieder ein. Ich bringe Gott meine Gedanken dazu im Gebet.

Mir tut es gut, immer wieder Impulse zu bekommen, auf die ich so nicht gekommen wäre. Ich habe meine Lieblingstexte in der Bibel, ich  kann einige Verse auswendig. Das ist aber nicht genug. Ich brauche den Anstoß von außen, mich mit anderen Themen der Bibel zu beschäftigen, mit anderen Bibelversen als die, die mir altvertraut sind. Deshalb sind mir Gottesdienste so wichtig: da höre ich verschiedene Bibeltexte, ich singe Lieder, die mich ins Nachdenken bringen. An hektischen Tagen wie heute kann ich davon zehren. An anderen Tagen lade ich meinen Akku bei Gott wieder auf: im Gebet, bei guter geistlicher Musik, mit einem Bibelvers.

Ich freue mich auf gemütliche Wintertage, die zu einem Teil wirklich Gott gehören. Dadurch überstehe ich dann auch Tage wie diese.

Nicole Bernardy

Nicole Bernardy

Pastorin in der ev.-methodistischen Kirchengemeinde mit Herz in Minden

Was ist gut?

„Lass gut sein!“ „Gute Güte!“ „Der ist richtig gut!“ „Alles wird gut!“ –

„Gut“ ist ein wichtiges Wort in unserem Sprachschatz, im Alltag, im Denken.

Fast alle gebrauchen dieses Wort. Fast alle haben irgendwie eine Vorstellung davon, was „gut“ ist, wer „gut“ ist. Zu wissen, was gut ist, hilft, Entscheidungen zu treffen, sich eine Meinung zu bilden, Werte fürs Leben zu finden. Aber was bedeutet das konkret? Was ist und wer ist wirklich gut?

Im Wort Gottes werden wir aufgefordert: „Prüft alles und das Gute behaltet.“

Und der Prophet Micha sagte Israel im Namen Gottes, was gut ist.

Es ist der Wochenspruch der neuen Woche:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

In Zeiten, in denen alles fraglich wird, in denen Gut und Böse verschwimmen und oft kaum noch zu unterscheiden sind, da kann so ein Wort gut tun. Wir sollen:

  1. Gottes Wort halten. Es ist das Wort, das Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus „geerdet“ hat. Es ist das Wort der Vergebung und der Befreiung. Nicht der hält Gottes Wort, der alles richtig macht, sondern der, der Gott in allem richtig vertraut. Wer Gott vertraut, „passt“ zu Gott, und das ist gut.
    2. Liebe üben. Gott ist die Liebe. Er hat sie erfunden. Und Gottes Liebe trieb Jesus in den Tod. Dadurch hat Gott für alle den Weg zu seinem Herzen frei gemacht. Nur darum ist die Liebe das Größte im Leben. Und das ist gut so.
  2. Demütig sein. Es soll gut sein sich vor anderen zu ducken? Doch „Demut“ meint im Deutschen ursprünglich die Gesinnung eines Dieners. Und das genau ist die Gesinnung Gottes in Jesus Christus. Das ist der Kern des Evangeliums! Der Schöpfer dieser Welt wird zum Diener der Menschen. Demütig sein vor deinem Gott – das meint einfach, in dieser Gesinnung Gottes zu leben. Und das ist gut.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Woche!

Jens Brakensiek

Jens Brakensiek

Pfarrer in der Kirchengemeinde Oberlübbe

(Un)heimlich freundlich… von Äpfeln, Freundlichkeit und einer besseren Welt

Eine Frau aus der Gemeinde hat superleckere Äpfel geschenkt bekommen. Die standen vor ihrer Tür. In der Tüte lag ein Zettel: „Für freundliche Nachbarn“. Sie will unbedingt wissen, wer ihr die geschenkt hat. Mich hat sie auch im Verdacht. Aber ich war´ s nicht. Leider. Die Idee finde ich nämlich echt gut: Menschen heimlich eine Freude machen. Einfach so.

Dafür gibt es sogar einen Namen: Random Acts of Kindness- Zufällige Akte der Freundlichkeit. RAK ist eine weltweite Bewegung. Da wollen Leute die Welt besser machen, indem sie dafür sorgen, dass andere einen Grund zur Freude haben. Einfach so, ohne Hintergedanken.

Hat schon Paulus an die Gemeinde in Philippi geschrieben (Philipper 4,5): Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe. Heißt: Wenn wir Menschen Gutes tun, dann merken sie was von Gott. Auch oder vielleicht sogar besonders, wenn das Gute heimlich passiert.

Wir könnten wir ja beim nächsten Cafe´- Besuch heimlich für jemand am Nachbartisch mitbezahlen. Oder heimlich die Mülltonne vom Nachbarhaus gleich mit an die Straße bringen….

Ob das die Welt verändert? Für irgendjemand in dem Moment bestimmt. Weil er das Gefühl kriegt: Die Welt kann ein schöner Ort sein. Es gibt kleine Wunder. Irgendwer mag mich. Und das ist schon ein himmlisches Gefühl. Da ist was von Gott zu merken.

Am 13.11. ist übrigens Welt- Freundlichkeits-Tag. Da können wir uns doch mal was ausdenken…

Also wie gesagt, ich war das nicht mit den Äpfeln. Aber ich hab schon eine Idee!

Catharina Bluhm

Catharina Bluhm

Pfarrerin, St. Thomas-Kirchengemeinde