Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Urlaub…

Viele von uns haben in diesen Tagen Urlaub, freuen sich darauf oder sehnen sich angesichts der Hitze danach. Einfach mal ein paar Tage abschalten auch von manchen Alltagssorgen. Nun ist es aber so, dass auch in der Urlaubszeit Krankheits- und Todesfälle keine Pause machen, Verkehrsunfälle sogar nicht selten sind. Darum ist uns vom Team der Notfallseelsorge wichtig, dass dieser Dienst auch in der Ferienzeit an allen Tagen rund um die Uhr besetzt ist. Durch gutes Zusammenwirken von haupt-und ehrenamtlich Mitarbeitenden ist dies auch möglich. Dadurch wollen wir, selbst wenn wir bei Einsätzen davon gar nicht immer reden, zum Ausdruck bringen, dass unser Gott auch 24 Stunden 365 Tage im Jahr für uns da sein will. Gerade auch in Notfällen aber nicht nur. „Ich gehe oder liege so bist du um mich und siehst alle meine Wege“, heißt es in der Bibel. Und darum kann doch die Urlaubszeit gut dafür sein, sich Zeit für Gott zu nehmen: Bei einer Kirche am Weg stoppen für einen Moment der Stille. In einer wunderbaren Landschaft ihm danken für die Schönheit der Schöpfung. Eine Bibel ins Urlaubsgepäck legen und mal wieder darin lesen. Am Urlaubsort oder zuhause einen Gottesdienst besuchen (die finden trotz Ferien statt). Unser Gott macht keinen Urlaub, sondern ist dann für uns da, wenn wir Zeit für ihn haben oder uns nehmen. Auch für die, die keinen Urlaub haben oder in diesen Tagen gar belastende Herausforderungen erleben. Jeder Gottesdienst kann eine Auszeit vom Alltag sein. Ich wünsche Ihnen eine behütete Ferienzeit, wo immer Sie sind

Andreas Wilmsmeier

Andreas Wilmsmeier

Pfarrer, Ev. Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen und Koordinator der Notfallseelsorge im Kirchenkreis

Zeichen

Ich biege um die Ecke und sehe auf der Strasse drei aufgemalte Kreidepfeile, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Ganz kurz bin ich versucht, mich an der Schatzsuche zu beteiligen, aber diese Zeichen sind ja nicht für mich. Auf allen Kindergeburtstagen war das der Höhepunkt: Die Schatzsuche, gerne auch schon in der Dämmerung. Dann am Ende die Berichte über die Abenteuer, die man erlebt hat, der Streit über nicht eindeutige Zeichen und die Freude über den doch noch gefundenen Süßigkeitenschatz.
Auch Jesus Christus lädt zu einer Entdeckungsreise ein, wenn er von sich sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Johannesevangelium 14,6). Doch wo finden wir Hinweise für unsere spirituelle Schatzsuche? Müssen wir uns aufmachen, geheimnisvolle Zeichen und Symbole zu deuten, wie in einem Roman von Dan Brown?
Ich bin überzeugt, die Antwort liegt in der Person von Jesus Christus selbst. Im Neuen Testament wird beschrieben, dass Jesus selbst das Zeichen Gottes ist. Wer sich mit Jesus Christus, seinem Leben und seinen Worten beschäftigt, kann einen persönlichen Zugang zum Glauben finden.
Jesus benutzte unglaublich viele Gleichnisse, um Gottes Wesen und geistliche Dinge zu beschreiben. Oft sind es Gleichnisse aus der Natur: Da wächst das Reich Gottes einfach so und seine Liebe setzt sich durch. Und auch als langjähriger Christ höre ich nicht auf, mich zu fragen: Wo wirkt Gott heute in meinem Alltag? Wo kann ich entdecken oder zumindest erahnen, wo Gott am Werk ist?
In der nächsten Woche haben wir als Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Minden vierzehn amerikanische Trainer und Sportler für das Baseballcamp zu Gast. Neben allem Spiel, Sport und Spaß machen wir uns mit ihnen und den einhundert angemeldeten Kindern auf den Weg, um Beispiele aus der Welt des Sports mit Bibeltexten zu verbinden. Unsere amerikanischen Gäste haben große Freude daran, Beispiele aus dem Baseball auf den normalen Alltag und das Leben als Christ zu übertragen.
Manche Zeichen Gottes entdecke ich zusammen mit anderen Menschen. In den Gesprächen und Glaubenskursen der Gemeinde sind es immer wieder ganz besondere Höhepunkte, wenn wir im Gespräch entdecken: Da hat Gott dir ein Zeichen gesetzt, dort hast du Gottes Liebe gefühlt, da hat er dich getröstet, bewahrt und geholfen.

Viel Freude beim Suchen, deuten und finden wünscht

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Minden

Was für ein Vertrauen….

„Was für ein Vertrauen“  (2. Könige 18,19) lautete das Motto für den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Worin gründet die christliche Gemeinde eigentlich ihr Vertrauen? Das können wir wohl mit gutem Recht fragen. In einer Welt, wo Vertrauen immer wieder enttäuscht, ja missbraucht wird, haben wir es ja nicht einfach, von Vertrauen zu reden. Selbst die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen hat gerade in den letzten Jahren einen hohen Vertrauensverlust erfahren. Menschen wenden sich von ihr ab aus Enttäuschung, aber auch, weil sie ihnen keine Antworten auf die Probleme dieser fragwürdigen Welt zu geben scheint. Vertrauen wurde und wird auch immer wieder missbraucht, da wo Starke und Mächtige ihre Macht gegenüber Schwächeren missbrauchen. Warum sollte der Evangelische Kirchentag also noch von Vertrauen reden? Wer bei allen Enttäuschungen und Ängsten genau hinhört, der vernimmt hinter allen Zweifeln und Ängsten die Stimme des Mannes aus Nazareth, der sich immer wieder Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen als Fels in der Brandung, als Hoffnung in der höchsten Not erweist. An ihm richten Christenmenschen ihr Vertrauen und ihre Hoffnung aus.  In unsere von vielen Ängsten geprägte Vertrauenskrise, ruft er uns auch heute aus dem Sturm der Zeit zu: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben, kein Vertrauen?“ (Markus 4,40)  Jesus wusste und weiß, wie es um seine Anhänger bestellt ist. Sie werden von den heranrollenden Wellen katastrophaler Ereignisse und Pressemeldungen in ihrer Angst und ihrem Misstrauen hin und hergeworfen. Aber sich ganz von der Angst bestimmen zu lassen, geht wohl daneben. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass, wenn die Angst in bestimmten Regionen unseres Denkorgans sinkt, das Vertrauen zunimmt. Unser Vertrauen wird also größer, wenn die Angst sich verringert. Wenn die Angst aber zu groß ist, lähmt sie uns und macht uns blind hinsichtlich notwendiger Veränderungen in unserer Welt. Allerdings, darauf wird auch hingewiesen, ist ohne ein bisschen Angst auch kaum Vertrauen möglich. Was für ein Vertrauen. Vertrauen lässt auch neue Beziehungen von Mensch zu Mensch entstehen. Wenn es uns gelingt, gemeinsam die Vertrauenskrise zu überwinden und Zeichen der Zuversicht zu setzen, können wir befreiter aufspielen. Nur wer bereit ist, immer wieder anderen Menschen Vertrauen zu schenken, empfängt auch Vertrauen.

Ralf Wagener

Ralf Wagener

Pfarrer, am Leo-Sympher-Berufskolleg in Minden