Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Können Sie Winter?
Jetzt liegt der Schnee schon erstaunlich lange für unsere Breiten. Das ist ja eigentlich ganz schön anzusehen. Der Winter hat seine Schönheiten. Aber wer hat schon Spaß beim Schneeschippen oder -fegen vor dem Frühstück. Die meisten tun es nur weil es eben sein muss. Natürlich kann das viel unangenehmer werden. Die täglichen Bilder aus der viel kälteren Ukraine, wo Heizung und Strom durch Angriffe immer wieder nicht da sind, erschrecken. Trotzdem sehnen sich auch hier inzwischen viele nach den Frühlingsvorboten. Die kurzen Tage werden schon wieder etwas länger. Aber trotzdem ist es kaum Nachmittag und schon dunkel. Winterblues? Vielleicht.
Er sendet sein Wort, da schmilzt der Schnee; er lässt seinen Wind wehen, da taut es. (Psalm 147, 18)
Nun hilft auch nicht, einen Psalmvers zu nehmen, um das lästige Schneeschippen zu vermeiden. Aber so ein Blick in das, was in den biblischen Psalmen steht, hilft ein wenig über den Winterblues. Was Gott zu sagen hat, ist mehr als dunkle Winterzeit.
Ich freue mich auf den Frühling.

Hendrik Rethemeier
Vertretungspastor im Kirchenkreis Minden
„Du sollst fröhlich sein“
Nicht nur, liebe Leserinnen und Leser, weil der Karnevalsmonat am morgigen Sonntag beginnt, freue ich mich, über den Monatsspruch für den Februar: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über all das Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)
Ein maximaler Kontrapunkt gegenüber allem, was uns sonst so zuallererst auf unserem Gedanken-Desktop aufleuchtet: Gegenüber der zerstrittenen Gesellschaft, einer Welt voller Machtgier, Völkerrechtsvergehen, Machismo, Kriegen und Gewalt, gegenüber unseren Zukunftsängsten und der bedrohlichen Klima-Wende.
Du sollst fröhlich sein; eher nicht weil mit Humor ohnehin alles besser geht, sondern weil es ja in unserem Leben auch so unendlich viel Gutes und Dankeswertes gibt. Das ist ein sogar therapeutischer Rat, sich mal hinzusetzen und sich zu fragen: für welche drei kleinen Dinge am heutigen Tag kann ich denn dankbar sein?
Ja, verdächtig in diesem Bibelvers klingt es schon, wenn von der „Familie“ die Rede ist, aber warum eigentlich? Ist dabei der Rat denn schon eingeschlossen, sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung zurückzuziehen?
Ich finde nicht, denn über das Familiäre hinaus gibt es doch auch noch so viel „Wonder“-bares in dieser Welt.
Vor gut vier Jahren hat Michael Patrick Kelly mit dem Rapper Rakim den Song „Wonders“ veröffentlicht. „I see wonders in a broken world“, heißt es darin. Wunder in einer zerrissenen Welt, verborgen unter allem Dreck, mitten in Sorgen und Elend: Menschen, die füreinander einstehen, Integration fördern, Frieden suchen, einander helfen, Kinder tanzen Hand in Hand über eine dunkle Steinwüste im dazugehörigen Video. Das alles sind in der Tat „Wunder“, und die kommen „von oben“… Grund genug, auch mal fröhlich zu sein, oder?

Volker Niggemann
Pastor an St.-Matthäus, Minden
Licht am Ende des Tunnels
Nach den kürzesten Tagen des Jahres zu Weihnachten, sehnen sich alle nach dem Licht. Jeder Sonnenstrahl ist willkommen, damit wir nicht dem Winterblues zum Opfer fallen. Das passt zu unserer Kirchenjahreszeit. Wir sind in der Zeit nach dem Fest der Erscheinung Epiphanias. Jetzt wird durchbuchstabiert, wie das aussehen kann, dass mit Jesu Geburt das Licht der Liebe Gottes in unserer Welt scheint. Deshalb beschreibt ein Lied, das wir jetzt singen Jesus mit den Worten: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Denn der Morgenstern ist zu sehen, bevor es richtig Tag ist. Er ist wie ein Licht am Ende des Tunnels. Mit all den Nachrichten von Krieg, Gewalt und Unterdrückung, sei es im Krieg gegen die Ukraine, im Iran, oder wo auch immer oder seien es Drohungen der mit uns verbündeten USA – wir fühlen uns manchmal wie in einem Tunnel von Krise, Unvernunft und Unmenschlichkeit gefangen. Und auch im eigenen Leben gibt es Krisen, Leid und Schmerz auszuhalten.
Das Licht des Morgensterns spricht eine tröstliche Sprache. Dieser Stern scheint in der Zeit zwischen Nacht und Tag und kündigt so den Morgen an. Im Zwielicht, in der Zweideutigkeit gibt er uns Hoffnung. So wie Jesus die Krisen seiner Zeit nicht beschönigt hat, sondern er hat sie klar beim Namen genannt. Er macht Mut zum Durchhalten, denn diese Krisen werden nicht das letzte Wort behalten. Der Glaube macht Mut standhaft zu bleiben in der Mitmenschlichkeit, standhaft zu bleiben und Gewalt und Unterdrückung nicht nachzugeben. Es macht viel mehr Sinn aus der Liebe zu leben und nicht aus dem Hass. In der Bibel heißt das ein Leben im Licht zu führen – wer dagegen seine Mitmenschen hasst und ihnen Böses will lebt nicht im Licht.
Suchen wir in diesen Tagen miteinander das Licht, das Sonnenlicht gegen Winterblues, aber vor allem das Licht der Liebe Gottes, die uns bestärkt, der Finsternis von Unvernunft und Unmenschlichkeit nicht nachzugeben.

Katja Reichling
Pfarrerin, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien, Bezirk Christuskirche (Todtenhausen/Kutenhausen)