Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Traditionsgemäß erscheint im Mindener Tageblatt auch in diesem Jahr wieder eine Sonderseite zu Weihnachten. Dieses Mal hat den Text für diese Seite Pfarrerin Esther Witte aus Schlüsselburg geschrieben. Ihren Beitrag gibt es auf Hochdeutsch im Mindener Tageblatt – und auf Plattdeutsch hier. Viel Spaß beim Lesen!

Text: Pastörske Esther Witte ut Schlöttelboarg, dei kein Platt köan kann – is schoade – oaba weinigstens vastoen. Oabasettet von Elfriede Ötting ut Woatastroate.

Wiehnachten staht vor de Döör

De Wind de weihet oabert Land
schufft dicke Wolcken vor sick her,
un kickt man oabert wiehe Land,
is alles doig, alles leer.

De Winter moaket sick getz breet,
de Sünne sick ganz kort nur wieset.
De Eere drängt `n wittet Kleed,
de Wäge sind verieset.

Doch wenn de Sünne denn moal schinnt
mit öhren warmen Stroahl,
funkelt un glitzert et in`n Wind
uppe ganzen Eere doal.

Et blänkert Hoagen, Boom un Struk
Ook de Husdöäker inne Ferne,
un dichte bie-e süht et ut,
als wör alles beseit mit Sterne.

An `n Himmel staht dat Oabendrot,
de Moand kickt listig achtern Wolken vör,
de Engel backet Wiehnachtsbrot
denn: Wiehnachten staht vor de Döör.

(von Sophie Möhlenbrock ut Neienknicke)

Platt. Dat is et, wat wi köart, hier up`m Lanne.
Kloar. Et werd dat eine oder dat annere Woart von Dörp tau
Dörp annasta köat, oaber man vasteit sik.

Hochdütsk, dat könt wi ok.
Oaba et mott nich wäsen. Nich jummer. Meist nich.
Oder bloß bi wecken Lüen.
Mit dänen köat man Hochdütsk un mit dän annern Platt.
Dat passet aal. Wi könt us doarup instellen.

Un wenn ik dat mol vakloarn schall, wi dat is,
denn kann ik dat mit dei Wiehnachtsgeschichte gaut vaglieken.
Doar gift et jo ok nich bloß eine Geschichte.
Dat is di ok kloar, oder? Et gift tweie.
Dei eine steit bi Matthäus. In sinen Evangelium ganz vörne.
Un dei annere bi Lukas, ok ganz vörne.
Dei kennst du saugoar Woort för Woort.
Dei wert jummer in dän Gottesdiensten vöaläsen:
„Et begaff sik oaba tau dei Tied, dat ein Gebot von dän Kaiser Augustus utgüng…“
Sau fangt et an. Un denn werd vatellt, wie Maria un Josef noa Bethlehem möt un et keinen Platz in dei Herberge mehr gift un dat dat Kind in`n Stalle geboan werd.

Van dei Geburt in Bethlehem vatellt ok Matthäus.
Oaba jetzt kummt et: Bi Matthäus läset wi bloß von dän Wiesen ut dän Moirgenlanne oder dän drei Königen, wie wekke tau ör segget.
Et sind dei, dei dän groten hellen Steern noalopet, saulange, bet sei anne Krüm`m ankomt un dat Jesus Kind fint.

Bi Lukas komt dei Gestalten nich vör.
Hei vatellt bloß von dän Scheepan up`n Feele,
dei ganz noarmoal an arbeien sind,
wi sei mit eis dei Wöre von dän Engeln höat:
„Hebbet keine Angst! Jau is vandoage dei Heiland geboan!“
Un denn lopet sei hen, dei Scheepa, hen no dän Stall.
Un sei fint alles sau vör, wi et dei Engel tau ör è secht hebbet.

Jo, un wenn ik dat nu vagliken schall mit dän Hochdütsken un mit dän Platt,
denn is dat sau:
Dat Hochdütsk, dat sind die Wiesen, dei Könige mit öan finen Tüch un öan düan Geschenken: Gold, Weihrauch un Myrre.

Dat Platt, dat sind dei Scheepa, dei noarmoalen Minsken, dei wetet, wi hart dat Leben wäsen kann un wat man bruket, ümme sik in dei Külle von`n Leben warme tau holen.
Et sind deijenigen, dei wetet, wat wichtig is un wat mehr wert is wie Gold, Weihrauch un Myrre.
Doarvan telle ik ein poar Dinge up:
Einen Freund tau hebben oder eine Freundin, dei einen vasteit, tauhöat un mehe anpacket.
Eine Famile, wo man tauhöart.
Ein Tauhus, in dat man jummer wer trügge koamen kann.
Un wenn et geit: Gesundheit.
Jo, dat sind Dinge, dei man sik nich köpen kann un dei doch sau wichtig för us sind.

Dei Scheepa, dei stoahet för dat Platt.
Eine Hatensproake, dei kein „Sie“ kennt. Bloß ein „Du“.
Wo man schnell mit anneren tauhoope kummt un weit: Dei annere vasteit mi.

Dat Hochdütsk is ok wichtig. Kloar. Dat köönt wi jo ok köan.
Oaba et is wehr sau, wi in dei Wiehnachtsgeschichte.
Et mott nich jummer köart wer`n .
Sau, wi ok dei Könige nich in jeden Krippenspell an`n Heiligen Oabend benömmt werd.
Bloß manchmoal . Af un tau.
Oaba wenn dei Wiehnachtsgeschichte vatellt werd, sau wi se inne Bibel steit,
dröbet dei Scheepa ganz un goar nich fählen!
Man mott sik dat moal vörstell`n : Eine Wiehnachtsgeschichte oane dei Scheepa!
Oane dei noarmoalen Lüe!
Wat schöll dat wer`n?

Also: Wi hier upp`n Lanne, in dän Dörpern von Petershoagen,
wi köart Platt. Un dat ut Oabatügung.
Sau, wi et jummer was.

Mach doch Gott sien`n Segen up us läggen un up alle Minsken, dei vondoage Wiehnachten fiat!

links Elfriede Ötting, rechts Esther Witte

links Elfriede Ötting, rechts Esther Witte

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Schlüsselburg

Es gibt nichts, was es nicht gibt

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, pflegte der erfahrene Hausarzt von gegenüber zu sagen, wenn er von den vielen Jahren in seinem Beruf sprach.

So ist es auch in der Adventszeit. Es gibt nichts, was es nicht gibt, an hohen Erwartungen an die Advents- und Weihnachtszeit, die auch mal enttäuscht werden. An Rissen und Konflikten in Familien, die in der Adventszeit so richtig deutlich werden, wo doch eigentlich alles so schön sein soll. An Traurigkeiten, Sorgen und Krankheiten, die nicht mit der heimeligen Atmosphäre dieser Zeit zusammenpassen wollen. An Termindruck, der in diesem Jahr wieder losgeht, damit man endlich wieder gestresst von Adventsfeier zu Adventsfeier laufen kann.

Ich kann dies nicht mit schönen theologischen Gedanken verändern. Und doch gibt es auch nichts, was es nicht gibt, an Wunderbarem in der Adventszeit. Es gibt die schönen Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Es gibt die ansteckende Begeisterung der Kinder in dieser Zeit. Es gibt die Musik, die meiner Seele guttut. Und es gibt eine große Hilfsbereitschaft für andere, die mich erfreut und die mir Hoffnung gibt. Weihnachtspakete oder gestrickte Socken für die Tafeln, Hilfspakete mit warmen Sachen für die Ukraine, Einladungen an Flüchtlinge hier bei uns und vieles mehr. Der Zauber dieser Zeit ist das Wunderbare, das Unerwartete.

Die Bibel sagt das so: Bei Gott ist nichts unmöglich. Das sagt der Engel zu Maria, der ihr die Geburt Jesu ankündigt, im Lukasevangelium im 1. Kapitel. Glaubt an die Wunder Gottes, gebt nicht auf zu hoffen. Vertraut, dass Dinge neu werden können. Einen zauberhaften 4. Advent wünscht Ihnen

Mirjam Philipps

Mirjam Philipps

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Windheim

Bereitet dem Herrn den Weg und kehrt um!

Die Botschaft vom dritten Advent ist geprägt von der Verkündigung Johannes des Täufers: „Bereitet dem Herrn den Weg“ und „Kehret um“.

Nun ist es bald soweit, Weihnachten kommt. Die Zeit der Vorbereitung auf das Kommen Jesu in unsere Welt läuft und findet bald ihren Abschluss. Für viele unter uns aber ist jetzt die Zeit der Hektik und des Stresses. Schaffe ich es noch, all die Geschenke einzukaufen, die mir fehlen? Einen Weihnachtsbaum habe ich auch noch nicht, und den Weihnachtsschmuck muss ich auch noch aus dem Keller holen. Wann soll ich das denn noch alles machen?
Nicht Vorbereitung und Freude erfüllt mein Herz, sondern Unruhe und Ungeduld.
Die Nachrichten aus aller Welt rauben mir zudem Kraft und Hoffnung. Wo soll das denn alles noch hingehen? Eine große Sehnsucht nach Ruhe und Frieden erfüllt mich.

„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“, so heißt es im Wochenspruch zum 3. Adventssonntag (Jesaja 40,3.10). Aber wie soll das gehen? 
Was kann ich mit meiner kleinen Kraft bewirken?

Johannes der Täufer greift die Worte Jesajas auf und ergänzt sie um eine Aufforderung: „Kehrt um!“ Lasst all das los, was euch von Gott trennt. Klärt eure Prioritäten, denn so geht es nicht mehr weiter. Öffnet euch der Botschaft Gottes und habt keine Angst vor dem Versagen. Gott kennt euch und weiß um eure Schwächen. Gott will in euer Herz kommen.
Deshalb heißt es im Wochenlied EG 16,1+5:

  1. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern!
    So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
    Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
    Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
  2. Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.
    Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt.
    Der sich den Erdkreis baute, der läßt den Sünder nicht.
    Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.

Gott selber kommt in dein Herz und er will es mit dem Licht seiner Liebe erfüllen.
Lass Gott ein.
Amen.

Thomas Pfuhl

Thomas Pfuhl

Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St.-Martini (Erlöserkirche)