Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Ein Geschenk der Sternsinger: Drei Buchstaben, die uns an Gottes Segen erinnern
Viele von uns werden sie kennen, die Sternsinger. Gruppen von Kindern, einige davon als Könige (oder Königinnen) verkleidet, ziehen in diesen Tagen durch Städte und Dörfer und geben den Sternsingersegen an die Menschen weiter. Zugleich sammeln die Kinder für Hilfsprojekte, die bedürftigen Kindern weltweit zugute kommen.
Ich bin dankbar, dass diese Aktion, die eigentlich in der katholischen Kirche beheimatet ist, bei uns in Petershagen zu einem ökumenischen Projekt geworden ist. Kinder aus katholischen und evangelischen Gemeinden werden in einem ökumenischen Gottesdienst gemeinsam ausgesandt, um Menschen in unseren Dörfern zu besuchen.
Nach dem Besuch bleibt etwas von ihnen zurück: Ein Aufkleber mit den Buchstaben C+M+B. Die Buchstaben bedeuten: „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“). Ein guter Wunsch, denn er erinnert uns daran, wovon wir leben: Vom Segen, den Gott uns schenkt. Nicht das, was wir sind, tun und haben, trägt uns, sondern Gottes Hand.
Ein Psalmbeter hat das einmal so ausgedrückt: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst. Wenn der HERR nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich.“ (Psalm 127,1). Gerade in diesen Zeiten merken wir, dass wir als Menschen trotz allem technischem und medizinischem Fortschritt nicht alles in der Hand haben.
Da können wir den Zuspruch, dass Gott uns segnet, gut gebrauchen. Gottes Segen ist keine Garantie, dass im Leben immer alles klappt und dass uns nichts Schweres begegnet. Aber Gott sagt fest zu, dass er es dennoch gut mit uns meint, uns auch auf schweren Wegen Kraft gibt und uns nicht allein lässt. Und dass am Ende aller unserer Wege er selbst steht, um uns in seine Arme zu nehmen. Ich bin dankbar, dass ein kleiner Aufkleber mit den Buchstaben „C+M+B“ mich immer wieder daran erinnert.

Thomas Salberg
Pfarrer, Kirchengemeinde Friedewalde
Jesus Christus sagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Johannes 6,37) – Jahreslosung 2022
Manchmal geht es mir noch immer so: ich schicke jemanden vor, wie ich es schon als Kind tat: „Frag Du lieber,“ sagte ich zum Bruder oder zur Schwester, versteckte mich hinter den Eltern und manchmal erwische ich mich noch dabei, dass ich meine Frau vorschicke: „Frag Du lieber!“ Bei einer Reise, in einem Geschäft, an einer unbekannten Tür. Natürlich frage ich heutzutage meistens selbst, aber wer kennt es nicht: gerade, dann wenn man nicht weiß, was oder wer einen erwartet oder eben nicht erwartet, stellt sich irgendwie das Gefühl ein: ich störe möglicherweise (diesen Eindruck kann man gelegentlich nicht ganz unbegründet in manchen Einrichtungen oder Geschäften haben), ich bin nicht willkommen, werde abgewiesen oder zumindest abweisend behandelt. Es klagen mir aber auch Menschen ihr Leid ihrer Erfahrungen, irgendwo abgewiesen worden zu sein: bei Behörden, bei der Job- oder Wohnungssuche, bei Verwandten oder Freunden, von denen sie anderes erwarteten. Und wer schon häufiger in seinem Leben schroff abgewiesen wurde, traut sich dann oft gar nicht mehr zu fragen, anzuklopfen, irgendwo anzurufen. Schon zu oft mussten sie hören: „Ich habe keine Zeit; hier sind Sie falsch; das geht mich nichts an!“ Die Verzweiflung von Menschen in Not kann man sich oft gar nicht schlimm genug vorstellen.
Jesus hatte häufig mit Menschen zu tun, denen es genau so ergangen ist, die völlig verzweifelt waren, weil niemand öffnete, niemand zuhörte, niemand half und da waren seine Worte und die Erfahrungen, die sie dann mit und bei ihm machten wie Balsam für die Seele. Hier bei ihm bin ich richtig, hier werde ich garantiert nicht abgewiesen.
Was er immer schon jedem Menschen versprach, kann uns nun für das neue Jahr 2022 als eine besondere Zusage begleiten. Was dieses Jahr bringen wird, keiner von uns weiß es! Dass der Weg ins neue Jahr nicht nur mit Hoffnungen, sondern mit vielen Befürchtungen um die Gesundheit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Weltfrieden verbunden sind, brauche ich eigentlich nicht zu betonen. Es werden viele Menschen gute Adressen, Türen und Ansprechpartner*innen brauchen. Und bei allen Sorgen, möglicherweise abgewiesen zu werden oder wenn wir uns nicht trauen zu fragen, die Zusage Jesu gilt: „Ich bin niemals abweisend, weil ich anwesend bin.“ An jedem Tag, in jedem Augenblick auch in diesem neuen Jahr.

Pfarrer Bernhard Speller
Assessor des Ev. Kirchenkreises Minden (stellvertretender Superintendent) und Pfarrer der Ev.-Ref. Petrigemeinde Minden
Eine Rose im Winter
Mitten im Winter – blüht eine Rose;
beim Advents-Singen auf dem St. Lukas-Kirchplatz an den Rosenstöcken zum 60-jährigen Chorjubiläum (inzwischen 65 :-)) und zum 10-jährigen Gemeindemitglied-Sein!
Völlig unzeitgemäß, überraschend wecken die einsamen Farbtupfer – rosarot – mitten im trüben, dunklen, kalten Winter Erinnerungen; Erinnerungen an helle, sommerliche, beschwingtere Zeiten. Dieses sorglosere Sommer-Gefühl scheint eingefroren; zugedeckt vom Frost des 2. Pandemie-Winters, von der Trauer um liebe Verstorbene.
Doch – die Rose blüht im Winter.
Sie trägt Trauer und Kälte.
Sie atmet den Anfang unserer Sehnsucht nach einer Welt, die uns gefällt.
Im Advent warten wir auf Weihnachten. Das Fest, an dem jedes Jahr neu die Liebe und das Licht in uns und in unsere Welt hinein geboren werden soll. Das kann nur ein göttliches Geschenk sein.
Im göttlichen Menschenkind Jesus werden uns der Glaube an das Gute, die Hoffnung auf die Menschen- und Weltfreundlichkeit und die Liebe zur Gerechtigkeit vor Augen geführt, neu ins Herz gelegt.
Das Advents-Singen klingt nach:
„Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.
Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.“
„Mitten im kalten Winter“, unter erbarmungs-losen, ärmlichen, gefährdeten Verhältnissen haben die Eltern Maria und Josph ihrem neugeborenen Jesus das Beste gegeben, was sie hatten:
Ihre Liebe, ihre Umsicht. Sie haben Leben geschenkt, behütet, gefördert, damit aller Welt ein noch viel größeres Geschenk gemacht werden konnte: Uns selig zu machen.
Das verheißt
Gottes Idee, uns zu adeln mit Seiner lebendigen Gegenwart –
Gottes Wille, uns aufzuhelfen zu einem glücklichen Leben –
Gottes Kraft, uns durchzutragen durch „die Tiefe des nächsten Tals“,
in der „uns bis heute der Heiland geboren“ wird.
Rosen blühen mitten im Winter.

Iris Rummeling-Becht
Pfarrerin, St. Marien Kirchengemeinde Minden