Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Reisen bildet und macht einfach Spaß

Vielleicht schätzt mancher von uns es in diesem Jahr besonders.

Als Gast eine andere Kultur, eine faszinierende Landschaft, ungewöhnliches, köstliches Essen, die Begegnung mit Menschen zu genießen und sich davon bereichern zu lassen, davon kann ich noch lange Zeit nachher zehren.

Aber: Als Gast gehöre ich nicht wirklich dazu. Vielleicht bin ich für eine Zeit willkommen. Aber eigentlich bin ich fremd, ein „Fremdling“, auch wenn man sich am Urlaubsort alle Mühe gibt, mich das nicht spüren zu lassen. Mein Zuhause ist woanders. Und dann: Fertigmachen zum Abreisen! Freue ich mich darauf, nach Hause zu kommen? Ich denke, an die, die auf mich warten, an die Kleinigkeiten, die mir vertraut sind. Ich denke an das Heimelige, an das, was Geborgenheit gibt. So fühlt es sich nur zu Hause an! Gott sagt: „Bei mir hast du ein Zuhause. Bei mir sollst du nicht nur als Gast willkommen sein. Ja, du darfst ruhig erst mal bei mir reinschnuppern, mich entdecken. Lerne mich kennen, vielleicht nimmst du spannende, faszinierende Seiten an mir wahr. Vielleicht fühlst du dich anfangs auch ein bisschen fremd. Für mich bist du aber kein Fremder und viel mehr als ein Gast. Wie schön wäre es, wenn du bei mir bliebest. Wenn du nicht an Abreise dächtest, sondern dein Zuhause bei mir fändest, den Ort, wo du hingehörst. Den Ort, wo du dich unbedingt angenommen und geborgen fühlst und fröhlich und zufrieden lebst. Glaube daran, dass ich für dich da bin. Bei mir gehörst du wirklich dazu.“

Als Überschrift aus der Bibel steht über diesem Sonntag und der kommenden Woche: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Was für eine einladende Zusage! Vielleicht sind diese Ferien eine Gelegenheit, diese ganz besondere Route einzuschlagen: in Richtung Geborgenheit, Zuversicht, Glücklichsein, Gottvertrauen, in Richtung Heimat im Glauben an Gott. 

Gute Reise und eine behütete Sommerzeit!

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Vor Gott sind alle Menschen gleich und mit Würde versehen.

Vor Gott sind alle Menschen gleich und mit Würde versehen. In der Bibel lesen wir auf den ersten Seiten, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild schuf: „Da schuf Gott Adam, die Menschen, als göttliches Bild, als Bild Gottes wurden sie geschaffen, männlich und weiblich hat Gott sie geschaffen.“ (1. Mose 1,27).

In der extremen Rechten haben die Grundüberzeugungen jüdisch-christlicher Tradition keinen Wert. Diese werden ebenso überschritten wie Menschenrechte und Gesetze unseres Landes. Drei Politikerinnen aus der Partei „Die Linke“ stehen im Visier einer Gruppe, die sich „NSU 2.0“ nennt. Die Fraktionschefin der Linken im Hessischen Landtag, Janine Wissler, die neue Fraktionschefin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Anne Helm, und die Bundestagsabgeordnete Martina Renner bekamen Emails, in denen sie mit dem Tod bedroht werden.

Die Gefährlichkeit der extremen Rechten ist bekannt. Ich denke an die Ermordung 10 muslimischer Menschen durch den NSU und an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor einem Jahr. Zwei der Drohmails an die Politikerinnen weisen auf einen Computer der Polizei in Wiesbaden hin. Der hessische Innenminister räumte die Möglichkeit eines rechtsextremistischen Netzwerkes innerhalb der Landespolizei ein.

Hetze, Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind keine Meinungsäußerungen. Sie zeugen von einer menschenverachtenden Haltung, die nicht tolerierbar ist in einem demokratischen Staat und in den Kirchen. Seien wir wachsam und mutig, wenn wir im Alltag damit in Berührung kommen. Halten wir dagegen, wenn Zeitgenossen Linien der Toleranz überschreiten. Mut dazu macht der Apostel Paulus: „Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich noch weiblich: denn ihr seid alle eins in Christus Jesus“ (Gal. 3, 28). Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Nationalität und Hautfarbe haben im Angesicht Gottes und in der Nachfolge Jesu keine Bedeutung. Gott schenkt Würde – jeder und jedem Einzelnen.

 

Imke Reinhardt-Winteler

Imke Reinhardt-Winteler

Pfarrerin im Referat für gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Kirchenkreises Minden

Und der Mensch blüht auf

In diesem Jahr habe ich meinen Garten besonders geschätzt und mit mir viele Menschen, mit denen ich in der Coronakrise gesprochen habe.

‚Ich bin so dankbar für unseren Garten‘ habe ich oft gehört ‚ da können wir jederzeit rausgehen. Und es tut so gut darin zu arbeiten, das erdet mich und bringt mich auf andere Gedanken.‘ Dazu haben viele ihren Garten auch auf ‚Selbstversorgung‘ hin angeschaut – die Gartencenter haben es gemerkt an den vielen Gemüsesetzlingen und Saatgut, die sie verkaufen konnten.

 

Meinen Garten kann ich gestalten, ich kann jäten, schneiden, säen und pflanzen. Mein Garten dankt mir meine Bemühungen mit Wachstum, Blüte und Frucht.  Dazu besuchen mich viele Tiere in meinem Garten und werden meine Untermieter.

Und mein Garten gibt mir immer wieder etwas zum Nachdenken.

In diesem Frühjahr und Sommer z.B., als es um die Frage ging: Was gibt uns Halt und Vertrauen in dieser Krise? – da fielen mir die Pflanzen auf, die nur gut wachsen können, wenn sie eine Rankhilfe haben, etwas an dem sie sich festhalten können. Das sind z.B. Erbsen und Stangenbohnen, aber auch Wein am Spalier und die wunderbar duftenden Wicken.

Diese Pflanzen suchen um sich herum und wenn sie einen Stab, eine Schnur oder eine andere Pflanze ertasten, dann halten sie sich an ihnen fest und wachsen in die Höhe.

Auch wir Menschen haben es immer mal wieder nötig uns irgendwo festzuhalten, bei der Familie, den Freunden, den Arbeitskollegen oder in der Kirchengemeinde.

Es tut uns gut, wenn wir Menschen haben, denen wir vertrauen können. Bei denen blühen wir auf.

Es gibt Situationen in denen haben wir den Eindruck, dass alle Sicherheiten wegbrechen und wir nichts haben, woran wir uns halten können.

Dann, aber nicht erst dann, ist es gut zu wissen, dass Gott uns seine Unterstützung versprochen hat. In der Bibel finde ich viele vertrauensstärkende Worte als  ‚Rankhilfe‘ für mein Leben. Wie die Worte, die der Beter oder die Beterin des 23.Psalms gefunden hat: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

 

Bleiben Sie behütet!

Katja Reichling

Katja Reichling

Pfarrerin, Mariengemeinde Bezirk 3/Christuskirche Todtenhausen/Kutenhausen