Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Wartezeit

Übermorgen kann das erste Türchen am Adventskalender geöffnet werden. Wie schön! Das versüßt die Wartezeit auf Weihnachten. Denn mit dem Warten ist es ja manchmal so eine Sache. Ist es vor der Ladenkasse oder an Bushaltestelle oder Bahngleis nicht oft nervig? Und manches sorgenvolle Warten mag uns aufreiben, zermürben. Aber wenn wir auf den angekündigten lieben Besuch oder sogar die Geburt eines Kindes warten, dann kann uns das mit Hoffnung und Vorfreude erfüllen, uns nach vorne blicken lassen. Weil wir auf ein ersehntes Ziel zugehen.
„Herr, ich warte auf dein Heil.“ – In der Bibel steht, dass Jakob diesen kurzen Satz sagt, als er seine Söhne segnet. Jakob erwartet etwas von Gott, etwas Gutes. Ich finde, dieser Satz passt sehr gut an den Anfang der Vor-Weihnachtszeit, der Adventszeit. ,Gott, du bist in Jesus in diese Welt gekommen, ich warte nun darauf, dass du auch bei mir ankommst. Und in dieser Wartezeit kann ich mich auf deine Ankunft vorbereiten.’
Was erwarten wir von Jesus?  Was erwarten wir von Gott? Was gibt es bei uns heil zu machen?
Die Adventszeit mit ihren kerzenwarm leuchtenden Momenten bietet sich an, darüber mit uns selbst, mit einem anderen Menschen, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Gott will uns heilvoll in unserem Leben begegnen und auch am Ende aller Zeit. Darauf zu warten, darauf zu hoffen, das kann uns diese Zeit Tag für Tag nahebringen. Auch im Jahr 2025. Vielleicht brauchen wir manchmal etwas Geduld, wenn wir auf Gott warten. Vielleicht brauchen wir jemanden, der uns ein Stück begleitet, das Warten mit uns teilt. So kann manche „Wartezeit“ auch spannend sein und uns weiterführen, uns neue Gedanken und Anstöße geben. Ich denke, es lohnt sich allemal, darauf zu warten, dass der Himmel uns heilvoll berührt, uns Kraft, Halt und Hoffnung gibt, uns Liebe bringt, Wärme und Licht schenkt, und dass wir angenommen sind.  „Herr, ich warte auf dein Heil.“
So wünsche ich Ihnen eine erwartungsfrohe, heilvolle Wartezeit im Advent!

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Mit dem Tod leben lernen – Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Am Ewigkeitssonntag werden wir uns in den Kirchen treffen,
die, die im letzten Kirchenjahr einen Angehörigen oder Freund verloren haben,
die, die schon länger einen lieben Menschen vermissen.
Uns alle beschäftigt der Verlust und die Frage, wie können wir mit diesem Verlust weiterleben?
Der Tod gehört zum Leben dazu, das wissen wir alle, es zu akzeptieren fällt schwer und darüber zu reden ist oft immer noch ein Tabu.
Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden gehen wir im Rahmen eines Projekttages auf den Südfriedhof. Dort begegnen wir Bestattungsarten und den Spuren derer, die uns vorausgegangen sind, deren Namen wir auf Grabsteinen und Grabmalen lesen können. Anschließend kehren wir ins Gemeindehaus zurück, wo Bibeltexte, Lieder und Bücher Raum geben für Gespräch und Nachdenken.
Einen besonders tiefen Eindruck hinterlässt das Buch „Leb wohl lieber Dachs“. Nachdem der alte Dachs gestorben ist, erzählt sich die Tiergemeinschaft, was sie mit ihm erlebt hat, was er ihnen mitgegeben hat für ihren Lebensweg.
Der Fuchs hat gelernt seine Krawatte richtig zu binden, die Häsin Plätzchen zu backen, der Frosch Schlittschuh zu laufen… Und während des Erzählens merken die Tiere, dass die Erinnerung an den alten Dachs leichter werden, weil sie sie miteinander teilen. Mit dem Tod leben lernen heißt für mich: Im Gespräch mit Gott und den Menschen zu sein, die mir wichtig sind und zugleich zuzuhören, wie es der oder dem Anderen geht.
Und so bekomme ich einerseits im Gespräch und Gebet mit Gott und andererseits im Austausch mit anderen neuen Mut, neue Kraft und neue Hoffnung, das Leben neu zu entdecken.
Jesus lädt uns dazu ein: „Kommt her zu mir, wenn ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Mt 11,28) und „Ich bin bei dir alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20).
Deshalb: „Fürchte dich nicht…., denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jes 43,1).

Thomas Pfuhl

Thomas Pfuhl

Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Martini, Bezirk Erlöserkirche

Gedanken zum Volkstrauertag

Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag, ein Tag des bewussten Hinsehens, des bewussten Erinnerns, des Vergegenwärtigen von Erfahrungen und Leid, die Generationen prägen. Und es ist der Tag, an dem wir uns fragen, wie können wir verhindern, dass Hass und Gewalt wieder so mächtig werden?
Im Mai feierten wir 80 Jahre Kriegsende in Deutschland – Grund zum Feiern, keine Frage, aber Gewalt und Hass sind nach wie vor an der Tagesordnung und fordern Menschenleben.
Wenn wir nichts machen, wenn wir nicht aufklären, widersprechen, hinsehen und hinhören, dann nehmen wir die Not der Leidtragenden nicht ernst, dann wischen wir ihre Tränen einfach beiseite und hüllen uns in Gleichgültigkeit.
Es ist leicht, festzustellen, wie schlimm das Schicksal der Opfer ist. Aber sich ihrem Elend zu stellen, ihnen zuzuhören, kann unendlich schwer sein. Jesus Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
Es ist leicht, Veränderungen zu fordern, aber wenn ich mich verändern soll, dann finde ich viele gute Gründe, warum ich dieses und jenes nun doch nicht ändern kann. Jesus Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
Es ist leicht, sich die Nachrichten von immer neuen Kriegen und Gewalttaten anzusehen und sich selbst in Sicherheit zu wähnen, zu denken, das ist weit weg und betrifft mich nicht. Jesus Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
Dieser Satz rüttelt mich auf, am Volkstrauertag, aber auch an jedem anderen Tag, lässt mich aufhorchen und hinsehen.
Jesus fordert mich auf, hinzusehen, zuzuhören, einzutreten.
Dafür, dass Gewalt und Hass nicht die Oberhand gewinnen. Dafür, dass wir immer und immer wieder für Frieden und Versöhnung eintreten, dafür beten und diese Hoffnung nicht verlieren.
Jesus Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Luise Klein

Luise Klein

Pfarrerin der Ev.-Luth. St. Martini Kirchengemeinde Minden