Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Gott ist da!
Seit Oktober des letzten Jahres konnten wir in unserer Kirchengemeinde 10 Taufen feiern. Das ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Ich freue mich, dass Eltern, Patinnen und Paten und auch Jugendliche sich für die Taufe entscheiden. Alle Getauften bekommen auch ein Paar kleine Schühchen geschenkt, von einer Frau gehandarbeitet. Sie sind ein symbolisches Zeichen, dass wir nicht alleine auf dem Lebensweg sind, sondern von Gott begleitet. Er geht den Weg des Lebens mit.
Das wird in einer biblischen Geschichte aus dem 2. Buch Mose Kapitel 3 deutlich, wo Gott auf Moses Frage seinen Namen nennt: „Ich bin der Ich-bin-da“. Dieser Name macht deutlich, wie Gott ist. Er ist immer da, begleitet uns auf den Wegstrecken des Lebens, auf denen, die wir leicht bewältigen, und auf denen, die schwer für uns sind. Die Corona-Pandemie ist nur ein Beispiel. Der Krieg gegen die Ukraine ein anderes. Beides löst Sorgen und Ängste aus. Da tut die Zusage des Namens Gottes gut: Ich-bin-da. Gott ist bei uns, für uns da, will die Sorgen und Ängste mit uns tragen. In einem Liedtext wird das so ausgedrückt: „Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.“
In einem Monat gehe ich nach 30 Jahren als Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Barkhausen in den Ruhestand. Ich wünsche mir und uns allen, dass wir spüren, dass Gott unsere Wege mitgeht und uns im Schweren durch das Leben trägt. Der Glaube an Gott, dessen Name das deutlich macht, kann uns Halt geben. In das Ungewisse unserer Zukunft spricht Gott: Ich bin da. Und das brauchen wir gerade in diesen Zeiten.
Und wir können durch unser Handeln dazu beitragen, dass auch andere Menschen spüren, Gott geht mit, begleitet uns auf unseren Wegen, lässt uns im Schweren nicht allein, gibt Kraft. Das mögen auch die Geflüchteten aus der Ukraine erfahren, auch durch uns. Setzen wir uns für den Frieden ein, beten dafür, nehmen Anteil an dem Schicksal der Geflüchteten, helfen ihnen. Dazu gebe Gott uns Mut und Kraft.

Dorothea Hüffmann
Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Barkhausen
Sieben Wochen ohne Wut – eine Utopie?
Millionen Menschen beschließen jährlich unter dem Motto „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche, bis Ostern eine Zeitlang auf Gewohntes zu verzichten.
Für manche heißt das: kein Alkohol, kein Nikotin, kein Fleisch, keine Schokolade oder andere Süßigkeiten. Manche verzichten aufs Fernsehen, ganz Mutige fasten Autofahren oder die sozialen Medien.
Wie wäre es, wenn ich in diesem Jahr besonders auf meine Gedanken achte und auf Klatsch und Tratsch, spitze Bemerkungen und zweideutige Kommentare bewusst verzichten würde?
Es ist so einfach und so leicht, sich über diejenigen zu erheben, die falsch informiert sind, es einfach nicht verstehen, leichtgläubig sind, die eben so ganz anders sind als ich.
In unserer leicht zu erregenden Welt gibt es immer jemanden, der mir einen Grund bietet, mich über ihn oder sie aufzuregen.
In den wöchentlichen Friedensgebeten beten wir miteinander das Vaterunser. Dort heißt es „…und vergib uns unsere Schuld, genauso wie wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind“.
Hier zeigt Jesus Christus den Ausweg aus der Streitspirale: Ich fange an und steige von meinem Sockel der Überheblichkeit herab und entschuldige mich, wenn ich mich im Ton vergriffen habe und bitte Gott und Menschen um Verzeihung.
Ist es einfach? Nein!
Im Kirchenjahr nehmen wir uns die Zeit vor Karfreitag, um uns anzuschauen, wie Jesus Christus mit dem Hass, den Schmähungen und der Gewalt umgegangen ist. Wir halten an Karfreitag inne, um daran zu denken, wie groß die Leiden waren, die Jesus auf sich genommen hat und wie groß die Liebe sein muss, so etwas durchzustehen. Zu Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu, den Sieg der Liebe, die Möglichkeit, dem Hass etwas entgegenzusetzen.
Ist das eine Utopie, also eine Vorstellung, die schon in Gedanken existiert, aber noch keine Realität ist?
Ich weiß mich von Gott geliebt und hole mir dort meine Kraft, und doch ist es meine Herausforderung an jedem Tag: Der Liebe mehr Raum zu geben, dem anderen Gutes zu unterstellen und nicht vom Schlimmsten auszugehen. So versuche ich als Ostermensch zu leben.
Ich wünsche es Ihnen und mir, dass wir es schaffen, Liebe und Versöhnung Raum zu geben.

Olaf Mohring
Pastor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Minden
Warum lässt Gott das zu?
Warum lässt Gott das zu? Warum gibt es Leid? Warum sterben junge Menschen und warum gibt es Kriege? Heute versuchen wir diese Fragen zu beantworten. Diese Frage beschäftigt Menschen zu allen Zeiten. Viele Theologen führen das Leid auf die Güte und Liebe Gottes zurück. Gott in seiner Größe ist für uns nicht zu fassen und man hofft darauf, dass hinter allem ein Plan Gottes steht, den wir Menschen nicht begreifen können. Jedenfalls ist sicher, dass Gott das Leid kennt, da Jesus auch Mensch war.
Leibniz sagt, Gott hat von allen die bestmögliche Welt erschaffen. Er wog alles ab und entschied sich dazu, diese Welt zu schaffen. Leid sei also der hinnehmbare Preis für die bestmögliche Welt. Ein weiterer Ansatz ist, dass der Mensch einen freien Willen hat. Dadurch, dass der Mensch selbst entscheiden kann, wie er handelt, kann er sich für das Schlechte entscheiden. Andere vermuten, Gott hat sich längst von der Welt zurückgezogen. Wir sind ihm gleichgültig und er kümmert sich nicht darum, was mit uns passiert. Im Mittelalter glaubte man sogar, dass Gott Leid benutze, um Menschen zu bestrafen. Wenn sie etwas Schlechtes getan haben, dann werden sie im Laufe des Lebens irgendwann einmal Leid erfahren. Mit dieser Frage setzt sich das Buch Hiob auseinander.
Es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten, Leid zu erklären. Doch keine von ihnen kann bewiesen werden. Es liegt an jeder und jedem selbst, wie man diese Frage beantworten will. Es ist aber nicht von großer Bedeutung, warum Gott das zulässt. Selbst wenn man die Antwort kennen würde, würde Leid dennoch existieren. Es ist also wichtiger, die Frage zu beantworten, wie ich mit Leid umgehe. Christen glauben, dass Jesus im Leid uns beisteht. Es ist die persönliche Entscheidung, ob man überhaupt an einen Gott glaubt und wie der Gott ist, den man sich vorstellt. Gerade jetzt ist es wichtig sich nicht mit der Frage nach dem Warum aufzuhalten und stattdessen Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen.
Erarbeitet vom Religionsgrundkurs der Q1 der Gesamtschule Porta Westfalica
Fachlehrer: Pfarrer Eckart Zinnke

Eckart Zinnke
Pfarrer an der Gesamtschule Porta Westfalica