Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Drücken Sie den Resetknopf!
Der Beginn der Fastenzeit
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist gut, ab und zu im Alltag den Resetknopf zu drücken und die Fülle unserer Gewohnheiten mal auf den Prüfstand zu stellen. Was tut mir gut? Wo bin ich ganz bei mir? Was führt mich näher in den Kontakt zum Mitmenschen, zu Gott?
In der katholischen Kirche dient für diese Inspektion unserer Lebensführung die jährliche Vorbereitungszeit auf das Osterfest von 40 Tagen. Während mancher Zeitgenosse über den selbstauferlegten Verzicht in dieser Zeit die Nase rümpft und sie vorschnell als typisch katholisch empfundene Bigotterie abtut, fühlen sich andere von einer Zeit des freiwilligen Verzichts angesprochen, sei es aus Gründen des Wunsches nach weniger Körperfülle oder nach einem gutgemeinten Rat des Hausarztes. Dazu muss man aber zunächst mit einem Missverständnis aufräumen: die Fastenzeit ist keine Phase der verstärkten Selbstbetrachtung, einer ständigen „Nabelschau“. Es geht nicht um das Konzentrieren auf das eigene Ich. Vielmehr soll ein Durchbrechen schlechter Gewohnheiten, gerade wenn sie der Selbstbeschäftigung dienen und diese verstärken, den Blick klären und die eigene Wahrnehmung mehr auf das Du ausrichten. Fasten also nicht als Wellness oder esoterischer Schnick-Schnack, sondern als Weg zum Kontakt zum anderen, mir fremden. Was heißt das konkret? Im Grunde der bewusste Verzicht auf Ablenkungen und Beschäftigungen, bei denen ich um mich selber kreise. Das kann das ständige Hängen am Smartphone sein (wie oft nehmen wir den „Suchtknochen“ in die Hand, nicht weil er gerade gemeldet hat, dass eine Meldung gekommen ist, sondern in Erwartung, es könnte gerade was passiert sein?). Dann der Verzicht auf Ablenkung durch falsche und ungesunde Ernährung: das beliebte Knabberzeug nebenher, dass nur der Beschäftigung der Geschmacksnerven dient. Oder der Verzicht auf das sonstige mediale Dauerfeuer, dem wir uns oft ungeschützt ausliefern. Dies alles aber nicht, damit ich mich irgendwie besser fühle, sondern um mich neu für die Begegnung mit einem Gegenüber zu öffnen, sei es ein Mitmensch, der für ein aufmunterndes Wort von mir dankbar ist, oder natürlich für die Begegnung mit Gott, im Gebet, im Lesen der Heiligen Schrift oder eines spirituellen Buches, im Hören eines geistlichen Podcast, oder für uns katholische Christen im achtsam vorbereiteten Empfang der Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie.
Auch wenn Sie nicht katholisch sind; Vielleicht lassen Sie sich am Beginn dieser Fastenzeit motivieren und inspirieren? Drücken Sie doch auch mal den Resetknopf in Ihrem Leben. Nicht um alles von heute auf morgen umzuwerfen, sondern im Kleinen zu beginnen. Mit einer kleinen Neujustierung, etwas weg vom Ich, hin zum Du.

David F. Sonntag
Pastor am Dom zu Minden
Sehen Sie es?
„Tut das weh?“, fragt das kleine Mädchen seine Mutter und zeigt auf das Kreuz in der Kirche. Die Mutter erschrickt. Mit ganzer Wucht wird ihr bewusst, was ihre Tochter entdeckt hat: nicht den barmherzigen Gott, zu dem sie Abend für Abend beten, sondern den ohnmächtigen Gott, den leidenden Christus. Dort hängt er am Kreuz über dem Altar, Nägel in Händen und Füßen, eine Dornenkrone auf dem blutigen Kopf.
Das Kreuz ist kein harmloses Zeichen. Es steht in den Tagen vor Ostern im Mittelpunkt des Geschehens und mit ihm die Geschichte von Jesu Leiden und Sterben.
„Tut das weh?“ Ja, es tut schrecklich weh, nicht nur für den, der am Kreuz hängt, sondern auch für die, die hinschauen. Bei denen immer wieder Fragen hochkommen:
Gab es keinen anderen Weg? Braucht der liebende Gott Opfer?
Man versteht es nicht. Man versteht Gott nicht. Den Weg, den er geht. Die Dinge, die er zulässt und nicht verhindert. Das Nicht-Eingreifen in meinem eigenen Leben, als ich ihn so dringend gebraucht habe.
Die Spuren desjenigen zu erkennen, den wir den liebenden nennen, den, der niemanden fallen lässt, ist nicht immer einfach.
Manchmal muss man genau hinschauen, nachschauen, noch mal alles durchschauen, um dahinter Gottes Antlitz zu entdecken. Ein Antlitz, das uns mit Liebe ansieht, immer und überall.
So erging es mir auch mit dem Gesicht, bzw. der Maske auf dem Bild.
Schauen Sie ca. 30 Sek. auf die vier kleinen Punkte in der Mitte des Bildes. Dann schauen Sie auf eine Wand (möglichst ohne Muster). Langsam bildet sich ein heller Kreis. Wenn man nun mit den Augen blinzelt, sieht man, wie ein Gesicht entsteht. Erkennen Sie es?

So ist das wohl mit so manchen Dingen, die wir erleben: Wir starren auf das Vordergründige, auf die Maske. Aber erst, wenn wir unseren Blick weiten, versuchen, dahinter zu schauen, entdecken wir ein Gesicht. Es ist das Gesicht unseres Gottes, der uns mit Liebe anblickt.
Wenn wir ihn sehen, durch alles hindurch, wird es Ostern in uns.
Lasst uns dafür unsere Augen offenhalten.

Esther Witte
Pfarrerin der Ev.-Luth. Kirchengemeinden in Schlüsselburg, Heimsen, Windheim/Neuenknick
Hoffnungszeichen
Es ist für mich in jedem Jahr um diese Zeit wieder faszinierend, wie sie mitten im Winter, manchmal noch im Schnee, tapfer ihre Köpfe aus dem Boden schieben und sich dann ihre Blütenkelche entfalten. Schneeglöckchen, für mich immer wieder ein Hoffnungszeichen, dass trotz der Kälte der Frühling kommt.
Und das brauchen wir, solche Hoffnungszeichen:
– Auch wenn die Pandemie noch hohe Zahlen zeigt, die Hoffnung, dass doch eine deutliche Veränderung schon bald möglich scheint.
– Wenn man mitten in der Trauer um einen lieben Angehörigen oder Freund ist, dass doch das Leben weitergeht und andere Zeiten kommen.
– In einer langen Phase der Arbeitslosigkeit, dass doch ein Bewerbungsgespräch Aussicht auf einen neuen Job gibt.
Bestimmt nicht immer kann die Hoffnung sein, dass alles ist wie vorher, das zeigen alle drei Beispiele. Wir müssen mit Verlust und Veränderung leben.
Aber Hoffnungszeichen meint: Wir spüren, dass das Leben weitergeht. Manchmal heißt es einfach, wahrzunehmen, dass wir nicht allein sind.
Gott will uns dies zusprechen: Ich weiß wohl was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, dass ich euch Zukunft und Hoffnung gebe. So sagt er es durch den Propheten Jeremia seinem Volk Israel in schwieriger Zeit.
Vielleicht entdecken Sie in diesen Tagen draußen ein Büschel Schneeglöckchen. Sie sind unscheinbare Frühblüher, beeindruckend vor allem, weil sie meist in Vielzahl auftreten, in großen Drubbeln. Auch wir können gerade in der Gemeinschaft füreinander solche Hoffnungszeichen sein, uns Beistand geben.
Da sind noch die anderen Glocken, die sonntags, manchmal auch alltags ertönen. Sie laden uns ein in eine solche Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen. Sie rufen uns zu: Gott liebt dich und will dir nahe sein, er hat Gedanken des Friedens und der Hoffnung auch für dich.

Andreas Wilmsmeier
Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen