Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Mein Gott, wie wunderbar!

Es gibt Augenblicke im Leben, die kann man nur beschreiben mit Worten wie: „Mein Gott, wie wunderbar!“ Es kann sein, dass einen diese Worte überkommen, wenn man auf ein herrliches Panorama der Schöpfung Gottes schaut, wenn man einen lieben Menschen umarmen darf, ein gutes Essen zu sich nimmt oder einen hervorragenden Wein verkostet.
Bei mir kann sich dann unmittelbar das schlechte Gewissen einschleichen, das mir sagt, dass ich so etwas gar nicht verdient habe oder dass es nicht richtig sei, sich daran zu erfreuen, solange es so vielen Menschen auf der Erde viel schlechter geht als mir. Einem solchen Gedanken begegne ich mit der Überlegung, dass ich diese wunderbaren Momente tatsächlich nicht verdient habe.
Gott hat sie mir aber geschenkt, damit ich sie nutze. In einem mir von Gott geschenkten so wunderbaren Augenblick kann ich einen Abglanz der Schönheit Gottes erkennen. Ich kann diesen Augenblick auch nutzen, neue Kraft zu schöpfen, um den Menschen um mich herum Nächstenliebe erweisen zu können.
In Dankbarkeit darf ich die in solchen Momenten aufscheinende Liebe Gottes zu mir in christlicher Selbstliebe annehmen und neu Kraft finden, Gott und den Nächsten zu lieben.
Ich nutze ein so wunderbares Geschenk Gottes, um in Gottes- und Nächstenliebe zum Ziel meines Lebens zu gelangen:
Den über alles herrlichen dreifaltigen Gott schauen und das Glück des ewigen Lebens genießen zu dürfen.
Gott hat uns in der Menschwerdung seines Sohnes, die wir vor gut fünf Wochen gefeiert haben, den Weg dorthin eröffnet.
Danken wir für dieses unendlich große Geschenk Gottes und nutzen wir es.

Es grüßt Sie,

Ihr Pastor Christian Bünnigmann

Christian Bünnigmann

Christian Bünnigmann

Pastor im Pastoralverbund Mindener Land

Handeln aus dem Geist der Liebe und Besonnenheit

Was sich in den letzten Wochen in deutschen Städten, wie auch in Minden, an Protesten formiert, macht nicht nur nachdenklich, sondern sollte uns aufhorchen und handeln lassen. Wenn selbsternannte Verfechter bürgerlicher Freiheiten als Querdenker offen und bedrohlich vor Privathäusern politischer Mandatsträger aufmarschieren und dies hinter harmlosen Spaziergängen zu maskieren suchen, so ist das kein gutes Signal für die beschworene Freiheit, sondern ein einschüchternder Bedrohungsakt, der Furcht auslösen soll.

Wir Christen können dazu als Menschen des Glaubens und der Versöhnung nicht schweigen sondern müssen ein klares „Nein“ formulieren. Nein, wir wollen solche Einschüchterungsversuche nicht dulden; wir widersprechen dem und treten dem im Namen und im Geiste Jesu entgegen.

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe  und der Besonnenheit.“ (2.Timotheus 1,7).

Unser Evangelischer Kirchenkreis hat für das Mindener Land mehrheitlich einen Aufruf gestartet, um Querdenkern unter den Impfgegnern mit einem Aufruf zum Impfen entgegenzutreten.  „Wir mahnen zu Wahrheit und Besonnenheit im gesell­schaft­li­chen Dis­kurs. Kein Ziel rechtfertigt Lügen oder Verunglimpfung von An­dersdenkenden. Wir wider­sprechen allen Verschwörungsmythen von sog. „Quer­den­kern“ und ande­ren Impf­geg­nern/innen, egal ob sie aus einem rechtsextremen oder alter­nativen Milieu stammen. Wir widersprechen allen, die irrationale Ängste schüren, indem sie behaupten, die Pandemie sei eine Erfindung und Impfungen würden negative Absichten ver­folgen. Aufs Schärfste verurteilen wir auch hier jede Form von Antisemitismus.“  (nachzulesen unter  https://www.kkminden.de/aufruf-der-synode-des-evangelischen-kirchenkreises-minden-zum-impfen/)

Wer im Sinne Jesu handeln will, lässt sich darauf ein, sein Leben in Freiheit und im Dienst zur Erhaltung von Gesundheit und Unversehrtheit des Menschen zu führen. Und dazu hat uns Gott seinen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschenkt.

Ralf Wagener

Ralf Wagener

Religionspädagoge am Leo-Sympher Berufskolleg in Minden

Wie begnadete Menschen uns jetzt helfen können

Liebe Leser,
mitten in der fünften Welle begleitet von Dauerangst, Lärm in Medien und auf Straßen sowie Rissen in der Gesellschaft, ist die Frage, was und wer jetzt noch helfen kann: Impfen, im Gespräch bleiben bei allen Verschiedenheiten, Hoffnung geben, wo Kraft ausgeht, unbedingt. Letzteres beides versuche ich als Krankenhauspfarrer.
Und wer hilft? Sicher kein starker Mann, den manche sich wünschen, denn Autokraten beherrschen nicht die Balance von Freiheit und Verantwortung aller. Es bedarf stattdessen überall begnadeter Menschen. Begnadet darin, in der Wissenschaft, Lösungen zu finden. Begnadet an musikalischem Können, da Musik Flügel und neue Kraft verleiht. Begnadet in der Art der jetzt noch immer menschlichen Zuwendung bei der Pflege von kranken und alten Menschen.
Doch wo finden wir sie auch bei uns im Alltag? Der christliche Glaube antwortet: Bei einem mit deinem Herzen offenen Blick in den Spiegel. Nicht in dem des sich digital inszenierenden Narzissten, sondern durch Rückkehr zu dem, woher das Wort Gnade kommt:
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,14).
Wenn sie alle in dieser Zeit dich aufstacheln, du könnest alles aus dir und allem herausholen, wenn du nur willst. Und wenn dann, weil‘s nicht funktioniert, die eine immer nur sich und der andere immer nur andern die Schuld gibt? Dann steht das Wort Gnade dem genau entgegen. Sie ist dir geschenkt, jeder und jede – fehlerbehaftet – ist auf sie angewiesen.
Und es anzunehmen, was dir geschenkt ist, ohne es beanspruchen zu können, das ist alles. Was wäre das für ein Leben, wenn wir alle wüssten, wir haben auf nichts einen Anspruch? Müssen wir dafür erst ins Krankenhaus kommen oder in eine Pandemie geraten? Alles ist Gnade, lassen wir los und nehmen täglich an, was in Fülle aus einer anderen Hand uns verliehen und geliehen ist.
Die Kriegsgeneration  weiß davon, sie sollten wir in dieser Zeit fragen nach unserer Gnade der späten Geburt, statt sie zu isolieren. Vielleicht hört dann die vergebliche Suche nach Rettern auf der einen und Schuldigen auf der anderen Seite auf und der Lärm legt sich. Dann wären wir alle das, wozu wir eigentlich geschaffen sind: Begnadete Menschen.

Pfarrer Oliver Vogelsmeier

Pfarrer Oliver Vogelsmeier

Klinikseelsorger im Johannes-Wesling-Klinikum Minden