Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Befiehl dem HERRN deine Wege

Wie viele von Ihnen vermutlich wissen, neigt sich meine Zeit in der Petrigemeinde und damit in Minden dem Ende entgegen. Ab Oktober wird mich mein Weg zunächst in die Promotion führen. Daher nutze ich diese Gelegenheit, um mich bei Euch und Ihnen allen für die herzliche Aufnahme in Ihre Stadt und den Kirchenkreis und für die gemeinsame Zeit zu bedanken. Viele schöne Momente, Begegnungen und Erfahrungen werden mich auf meinem Weg, wo immer er mich letztlich auch hinführen wird, begleiten. Ganz genau weiß ich nämlich noch nicht, wohin mich mein Weg nach der Promotion führen wird. Diese Ungewissheit teile ich mit vielen Menschen innerhalb wie außerhalb der Kirche und nicht zuletzt auch mit Kirchengemeinden selbst in dieser Zeit des Umbruchs.
Und da ist es gut zu wissen, dass ein gewisses Maß an Ungewissheit erstens gar nicht zu vermeiden und zweitens auch völlig in Ordnung ist. Können wir als Menschen doch ohnehin nicht alle unsere Wege bis ins Kleinste kontrollieren. Gott sei Dank gibt es einen, der das viel besser kann!
Wie es der 37. Psalm so treffend ausdrückt: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird`s wohlmachen“. Das bedeutet natürlich nicht, sich nicht nach bestem Wissen und Gewissen selber zu bemühen, sondern in aller Bemühung letztlich alles in Gottes Hände zu legen und sich nicht um Dinge zu sorgen, die ohnehin nicht in der eigenen Hand liegen.
Dazu möchte ich uns alle ermutigen. In unserem persönlichen Leben wie in der Gemeinde. Denn nur allzu leicht kann das angesichts all der kleinen und großen Sorgen des Alltags in den Hintergrund treten. Und dann nehmen die Sorgen schnell überhand. Weil doch so vieles letztlich nicht in unserer Hand liegt. Aber das ist in Ordnung. Weil wir wissen dürfen, dass es in Gottes Hand liegt, der es gut mit uns meint und der es letztlich wohlmachen wird, wenn wir nur auf ihn vertrauen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes reichen Segen für Ihre Zukunft!

Roman Groß

Roman Groß

Pfarrer i. E., Evangelisch-Reformierte Petri-Kirchengemeinde

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Nicht nur zum DFB-Pokalfinale ertönt regelmäßig dieser Ruf, sondern auch vor einigen Jahren auf dem Fußballcamp unserer Gemeinde. Endlich mal das Olympiastadion besichtigen! Das Beeindruckendste an der Führung war für mich neben den enormen Ausmaßen dieser Anlage die Kapelle für die Sportler. Diese Kapelle ist ein ökumenischer Andachtsraum und liegt auf der Ebene minus 4 unter der Haupttribüne, genau zwischen den Kabinen der Mannschaften. Auf ihren Innenwänden sieht man verschiedene Bibelverse in über 15 Sprachen. Wenn man vom Spielfeld in den Tunnel zu den Kabinen geht, läuft man genau auf diese Kapelle zu. An der Außenwand steht in großen Buchstaben – Gold auf Rot – das Bibelwort aus dem Matthäusevangelium 16, 26: „Was hilft es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele?“
Jeder Leichtathlet und jeder Fußballer sieht diesen Vers – jeder Gewinner und jeder, der nicht den ersten Platz belegt hat.
Sportler sind aufs Gewinnen ausgerichtet, obwohl alle wissen, dass jeder Wettkampf mehr Verlierer als Gewinner hervorbringt. So hat auch die diesjährige Weltmeisterschaft in Mexico, den USA und Kanada viele Träume erzeugt und auch viele Träume platzen lassen.
Wenn für uns als Kirche am Glacis an diesem Wochenende das Baseball- und Cheerleading-Camp beginnt, begeistert mich immer wieder an unseren amerikanischen Trainern, wie stark sie die Kinder motivieren und ebenso, wie gut sie die unterlegene Mannschaft jedes Mal aufbauen und wertschätzen und damit zeigen, dass Gewinnen nicht alles ist.
Das Bibelwort aus Matthäus 16,26 ist auch für mich ein Trost: Auch wenn in meinem Leben nicht alles glatt läuft oder ich Tiefschläge hinnehmen muss, kann ich mich doch darauf verlassen, dass Gott meine Seele, also mein Innerstes, kennt und mir nahe ist. Und das zu wissen und eine Beziehung zu Gott zu haben, ist für mich der höchste Gewinn.
Am Sonntag treffen sich wieder viele Menschen in den Gottesdiensten unserer Kirchen, um dies zu feiern.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor der Kirche am Glacis – Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Minden

Der Braten und die Liebe

Immer wieder, wenn meine Familie zusammenkam, trug meine Mutter mit einem Lächeln im Gesicht ein Gedicht vor: „Es wird mit Recht ein guter Braten …“ von Wilhelm Busch. Sie hatte es als Teil Ihrer Ausbildung in der Landfrauenschule auswendig gelernt. Und das Gedicht endet: „Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz.“ Natürlich – das war vor hundert Jahren, als Wilhelm Busch das schrieb. Und trotzdem, er beschreibt darin, was zu einem guten Braten gehört: Ruhe, Sorgfalt, Geduld, insgesamt Zeit und schließlich sogar Liebe.
Heute kann ich darüber schmunzeln. Schließlich gibt es Fertiggerichte, Schnellkochtöpfe und Rezepte, die versprechen: „In 15 Minuten auf dem Tisch.“ Doch die Erfahrung zeigt: Manche Dinge lassen sich nicht beschleunigen. Ein guter Braten braucht Zeit. Das gilt nicht nur in der Küche.
Freundschaften brauchen Zeit. Vertrauen braucht Zeit. Eine Ehe wächst nicht an einem Tag. Kinder werden nicht über Nacht erwachsen. Der Garten braucht Geduld.
Wir leben in einer Welt, in der vieles sofort verfügbar ist. Nachrichten erreichen uns in Sekunden. Bestellungen kommen am nächsten Tag. Aber wirklich wichtige Dinge bleiben dem Gesetz des Wartens unterworfen.
Auch Gott scheint sich diesem Gesetz nicht zu entziehen. In der Bibel begegnen wir immer wieder Menschen, die warten müssen. Abraham wartet auf den versprochenen Sohn. Das Volk Israel wartet auf die Befreiung. Die Jünger Jesu warten nach Karfreitag auf neues Licht und neue Hoffnung.
Warten fällt schwer. Wer wartet, hat das Gefühl, unnütze Zeit zu vergeuden. Doch oft geschieht gerade dann Wichtiges. Wie ein Braten im Ofen nicht nur äußerlich warm wird, sondern sich langsam verwandelt, so verändert auch Geduld unser Leben.
Wilhelm Busch spricht noch von einer anderen Zutat: Herzensgüte. Ein gutes Essen entsteht nicht allein durch ein Rezept. Man merkt oft, ob jemand nur gekocht hat oder ob er oder sie mit Liebe und Geduld dabei war.
Vielleicht kennen Sie das: Der Duft aus der Küche erinnert manchmal an die Kindheit. An Sonntagen hieß das für mich Hühnersuppe und die Menschen, die mit am Tisch saßen und längst nicht mehr da sind. Was uns in Erinnerung bleibt, ist selten das genaue Rezept. Es ist die Liebe, die darin steckte.
Darum hat der alte Satz bis heute etwas Wahres: „Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz.“
Und vielleicht gilt umgekehrt: Wo Menschen einander mit Geduld, Aufmerksamkeit und Liebe begegnen, da wird das Leben ein wenig wärmer und nahrhafter – ganz gleich, ob ein Braten auf dem Tisch steht oder nicht. Übrigens der Braten geht auch vegetarisch.

Pfarrer Eckhard Hagemeier

Pfarrer Eckhard Hagemeier

Pastorale Dienste im Ev. Kirchenkreis Minden, Planungsraum Petershagen