Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Gedanken zum Sonntag – veröffentlicht im MT am 22.08.26

Liebe Leserin, lieber Leser wie schön, dass Sie sich diese Zeilen ansehen, dass Sie diese Seite beachten, dass Sie überhaupt noch Zeitung lesen. Sie gehören damit gleich zu zwei schwindenden Minderheiten. Zeitungen haben in der heutigen Medienlandschaft kaum noch einen Ort und sieht man auf die aktuellen Zahlen der Kirchenmitglieder werden die Gebiete immer kleiner, in denen das Christentum noch Bestand hat.
Aber auch als Christin oder Christ mag man sich das ein um das andere Mal fragen, wo Gott in dieser Welt noch zu finden ist. Keine Sorge ich singe jetzt nicht die allübliche Katastrophenlitanei, die uns Funk, Internet und Fernsehen in nahezu Echtzeit bieten. Vielmehr schaue ich mit Ihnen auf Worte aus dem Matthäusevangelium: „Ein Gelehrter trat zu Jesus und sagt: Herr, ich will Dir folgen, wohin Du gehst. Da antwortet Jesus: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ – Ein minderheitentauglicher Dialog. Quer stehend zur heutigen Gesellschaftsordnung, in der alles, jeder und jede seinen und ihren Platz hat. Aber wer genauer hinsieht weiß, wie vieles nur Fassade ist. Angefangen bei unseren Kirchgebäuden, die immer brüchiger und immer leerer werden bis hin zu den Menschen, die trotz moderner Kommunikationsangebote im Format 24/7 in Einsamkeit gefangen sind.
Und Sie liebe Leserin, lieber Leser, wo haben Sie ihren Ort oder ihren Halt im Leben? Ich vermute natürlich, dass Sie durchaus ein Dach über dem Kopf haben und Menschen, die Sie im Leben begleiten. Aber es gibt eben auch in aller Beständigkeit Zeiten, in denen es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich denke an Menschen meines unmittelbaren Umfeldes. Da kämpft sich jemand nach einer schweren und dramatischen Erkrankung mühsam ins Leben und merkt, dass manches von dem, was ihm zuvor als sicher und selbstverständlich galt seine Berechtigung verloren hat. Nun beginnt dieser Mensch in der Mitte seines Lebens von vorn… Ein anderer erleidet den schmerzlichen Verlust des eigenen Kindes… um so wichtiger werden nun Menschen, die einfach da sind, zuverlässig, zugewandt und dauerhaft.
Vielleicht merken oder erinnern Sie ja auch eigene Situationen, in denen Sie ähnlich aus dem Leben geworfen schienen. Und genau in solchen Um- und Abbrüchen erleben viele neuen überraschenden Halt, wenn Menschen da sind, die sich einlassen auf die Not und den Menschen, der durch sein Leid aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Und genau in solchen Lagen hat Gott dann ganz stark seine Finger mit im Spiel, wenn es zu hilfreichen Begegnungen, liebevoller Begleitung und dauerhafter Zuwendung kommt. Dann finden Menschen wieder neu einen Ort im Leben.
Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege, aber er besitzt den Schlüssel zum Herz von Menschen und bereitet damit einen neuen Platz zum Leben.

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Christoph Kretschmer

Christoph Kretschmer

Pfarrer am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg

Was feiern die da eigentlich?

Wenn Minden in Bayern oder im Saarland läge, hätten Sie heute einen arbeitsfreien Feiertag. Die katholische Kirche feiert am 15. August die Aufnahme Mariens in den Himmel oder volkstümlich „Mariä Himmelfahrt“. Letzte Woche haben wir in Minden Freischießen gefeiert und in beiden Fällen könnte bei Außenstehenden die Frage aufkommen: Was feiern die da eigentlich? Ich weiß noch, als ich nach Minden zog, es war zehn Wochen vor dem anstehenden Freischießen, bekam ich den zugleich freundlich und ernsthaften Hinweis: Sprechen Sie niemals von Schützenfest, das ist politischer Selbstmord. Beide Feste, so unterschiedlich sie sind, bedürfen der Erklärung. Man muss in die Geschichte hineingehen, um zu verstehen, wenn man nicht mit einem sofort fertigen Urteil daherkommen will. Wenn beim Fest Mariä Himmelfahrt auch noch das Stichwort „Dogma“ fällt, machen viele Menschen sofort dicht. Am 01. November 1950 hat der damalige Papst Pius XII die Lehre, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet. Das war nicht neu, sondern er hat damit die seit alters vorhandene christliche Glaubensüberzeugung endgültig bestätigt. Das Fest Mariä Himmelfahrt ist in der Ostkirche bald nach dem Konzil von Ephesus (423 n.Chr.) aufgekommen. Von Kaiser Mauritius wurde um 600 der 15. August als staatlicher Feiertag anerkannt und in der römischen Kirche wird das Fest seit dem 7. Jhd. gefeiert. Und was feiern die da jetzt eigentlich? Am besten drücken dies zwei Gebete aus, die in den Messfeiern für das Hochfest vorgesehen sind. Im Schlussgebet der Messe zum Vorabend heißt es: „Erhöre unser Gebet und lass auch uns nach aller Mühsal dieser Zeit zu dir in die ewige Heimat gelangen“, und im Tagesgebet: „Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit.“ Wir feiern also, dass Maria als Vorbild dort angekommen ist, wohin wir noch unterwegs sind.

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Probst Roland Falkenhahn

Probst Roland Falkenhahn

Seelsorger im Pastoralverbund Mindener Land

Wasser des Lebens

Von einem lebenswichtigen Gut

Vor einigen Wochen kamen aus manchen Kommunen unerwartete Nachrichten: Wasserampeln sprangen auf gelb oder gar rot, Menschen wurden gebeten, ihren Wasserverbrauch einzuschränken. Dennoch – wenn wir die Wasserhähne aufdrehen, fließt das Wasser immer noch. Wir haben es gut.
In unserem Partnerkirchenkreis Kaskazini in den Usambarabergen in Tansania sieht das für viele Menschen anders aus. Dort sind die Frauen, die das Wasserholen besorgen, manchmal Stunden unterwegs zur nächsten Wasserstelle. Und dann ist das Wasser nicht einmal sauber.
Jesus verwendete in seinen Reden oft das Bild vom Wasser. Er redete vom lebendigen Wasser, das er den Menschen schenken will. Vielleicht träumten damals manche: Wie wäre das wohl, Wasser immer zur Verfügung zu haben, ohne weite Wege zu Quellen?
Jesus aber meinte nicht das Wasser, das wir trinken. Er weiß, dass Menschen nicht nur Wasser für ihren Körper brauchen, sondern etwas, was ihnen im Inneren Kraft und Hilfe für ihr Leben gibt. Das will er für uns Menschen sein – will den Menschen so wichtig sein wie das Wasser, das wir jeden Tag brauchen. Er will „lebendiges Wasser“, eine Kraftquelle für unser Leben sein. Im Gebet können wir bei ihm auftanken.
Das löst noch nicht das Problem, dass viele Menschen in dieser Welt keine gute Wasserversorgung haben. Doch weil Jesus so oft vom Wasser redet, steckt darin vielleicht auch ein Anstoß für uns, sich um dieses Problem zu kümmern. In den vergangenen Jahren hat unser Kirchenkreis in unserem Partnerkirchenkreis drei Wasserprojekte durchführen können. Mit finanzieller Hilfe aus Deutschland – etwa durch Spenden – konnten unsere tansanischen Partnerinnen und Partner in den Usambarabergen von Quellen in den Bergen Leitungen in Dörfer bauen. Einige Tausend Menschen mehr haben jetzt sauberes Wasser – und das in der Nähe. Die Arbeit ist aber noch nicht abgeschlossen, denn es warten noch viele Dörfer dort auf sauberes Wasser. Deshalb werden wir weiter helfen. Weil Jesus, der für uns im Inneren eine Quelle für lebendiges Wasser sein will, das Wasser so wichtig ist.

Pfarrer Thomas Salberg

Pfarrer Thomas Salberg

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Friedewalde