Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Pfingsten. Nicht Sklave, sondern Kind!

Dieses Wochenende feiern wir Pfingsten. Was für ein Fest! Die Geburtsstunde, der Geburtstag der Gemeinde. Ein Ereignis, das vom Jerusalem vor 2000 Jahren ausstrahlt bis heute ins Mindener Land im Jahr 2026. Jesus lässt diejenigen, die ihm vertrauen, nicht allein. Nach seiner Himmelfahrt schickt er ihnen seinen heiligen Geist. Die direkteste, die bestmögliche Verbindung zu Gott. Aus seiner Herrlichkeit direkt hinein in Herz und Verstand der Jünger, durch die Jahrhunderte hindurch. Um sie immer wieder neu zu vergewissern: „Diejenigen, die von Gottes Geist geleitet werden, sind Kinder Gottes. Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, sodass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir „Abba! Vater!“ zu Gott sagen. So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Römer 8,14-16)
Seit Pfingsten sendet Gott diese liebevolle Botschaft direkt in die Herzen aller Menschen, die Jesus vertrauen und nachfolgen. Ein ganz neues Selbstverständnis prägt auf einmal aus ihrem Innersten heraus ihre Identität. Gott versklavt sie nicht. Zwingt ihnen nicht seinen Willen auf. Vielmehr gibt er ihnen ein Zuhause, eine Familie. Er liebt sie, wie Eltern ihre Kinder lieben, ist für sie da, sorgt für sie, prägt sie durch sein Vorbild.
Er gibt uns Christen das Vorrecht Gott „Papa“ zu nennen. Dazu passt es, wenn wir uns so sehr nach Gott sehnen, wie das kleine Kind, das einfach anfängt zu weinen, wenn es bemerkt, dass Mama gerade nicht im Raum ist. Wenn es merkt, die Distanz ist zu groß, ich habe meine Eltern aus dem Blick verloren, dann ruft es, bis Mama wieder da ist, dann krabbelt es hinterher, bis es Mama wieder gefunden hat. Dazu passt es, Gottes Nähe immer wieder zu suchen. Seine offenen Arme, seine Fürsorge, seine Liebe. Sich ganz auf ihn auszurichten, weil er für unser Leben so wichtig, so entscheidend ist wie Eltern für ihr Kind.
An Pfingsten empfangen wir den Geist der Kindschaft Gottes!

Thomas Berneburg

Thomas Berneburg

Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lerbeck

Mehr Mut zur Demut!

Manche alte Tugend, die in Vergessenheit geraten ist, würde uns heute wieder gut tun. Eine davon ist Demut. Sie hätte das Potenzial, viele Wunden in der Welt zu heilen. Derzeit kann man beobachten, wie viel Unheil das Gegenteil anrichtet: Stolz und Hochmut.
So hat etwa der US-Präsident einen Krieg begonnen, weil er glaubte, seine Armee sei unbesiegbar. Sein Hochmut stürzt aktuell die Welt in eine Abwärtsspirale. Sein russisches Gegenüber hat vor Jahren dasselbe getan. Auch im Kleinen kann man häufig sehen, wie Überheblichkeit Schaden anrichtet. Viele Arbeitsunfälle gehen darauf zurück, dass jemand dachte: „Ich brauche keine Hilfe – ich schaffe das allein!“
Demut ist nicht besonders angesagt, dafür aber schon ein sehr altes Heilmittel. In der Bibel steht (1. Petrus 5,5): Alle müsst ihr im Umgang miteinander Bescheidenheit an den Tag legen. Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber schenkt er Gnade.
Petrus weiß: Stolz und Überheblichkeit zerstören unsere Beziehungen. Wer sich selbst für besser hält, behandelt die Menschen um sich schlechter. Er wird herablassend, nimmt keine Ratschläge mehr an und hält andere klein. Ein demütiger Mensch tut das Gegenteil: Weil er weiß, dass er nicht perfekt ist, lässt er sich helfen und bringt anderen echte Wertschätzung entgegen.
Die Bibel sagt: Das ist eine Haltung, die Gott gefällt. Solche Menschen liebt und unterstützt er. Die Hochmütigen dagegen lässt er auflaufen und an ihrem Stolz scheitern. Gott ist selbst das beste Beispiel für Demut. Obwohl er der allmächtige Gott ist, wurde er in Jesus Christus einer von uns und hat uns Menschen gedient – bis in den Tod. Wer zu ihm kommen und von ihm erhört werden will, muss deshalb selbst demütig werden. Jesus lässt alle abblitzen, die spöttisch auf den Glauben schauen und herablassend darauf warten, dass Gott sich ihnen „beweist“. Aber er hört auf dein Gebet, wenn du eingestehst, dass du ihn brauchst. Dann freut er sich an dir und schenkt dir Gnade.

Johannes Röskamp

Johannes Röskamp

Pastor der Markusgemeinde Minden. Seine Predigten veröffentlicht er in seinem Podcast www.son-of-a-preacher-man.de

Wort zum Sonntag 10.05.2026

Atmen ist Leben

Mein 25-jähriges Ich hätte sich lustig gemacht über diesen Satz: “Atmen ist Leben.” Das weiß doch jedes Kind, hätte ich gedacht. Aber wie glücklich mich das Atmen macht – das hätte ich vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten. Aber jetzt hat der Satz “Atmen ist Leben” eine neue Bedeutung. Wenn ich immer wieder, ganz bewusst langsam und tief in Bauch und Rücken hinein atme, fühle ich mich so ruhig und gleichzeitig so lebendig wie selten. Wenn ich den Blick nach innen wende, bei jedem Ein- und Ausatmen und den Atempausen bis vier zähle, kommen mein Körper, meine Seele und mein Geist zusammen. Ich komme zu mir selbst, in diesem einen Moment meines Lebens. Meine Bewegungen verlangsamen sich, meine Gedanken hören auf zu kreisen und meine Gefühle zeigen sich. Und dann merke ich, wie ich gerade lebe. Wie schnelllebig ich mich mal wieder durch den Tag hetze und wie flach ich gerade noch geatmet, gehechelt habe. Überrascht entdecke ich dann manchmal auch, dass ich die Luft anhalte: Vor Spannung oder Schreck. Und ich staune, wie lange ich ohne neuen Atemzug auskomme, wenn ich aufwache. Und wie wenig ich brauche, nämlich nur den nächsten Atemzug. Aktiv anders zu atmen, lässt mich spüren, wie tief mein Seufzen geht oder wie weit sich mein Brustkorb weiten kann- und will. So zu Atmen tut mir einfach nur gut und bringt mich in Kontakt mit mir und meinen Wurzeln. Ich kann es nicht anders beschreiben, als dass es mir vorkommt, als wenn ich mir selbst wieder Lebenskraft einhauchen lasse – und davon nicht zu wenig, zu flach oder zu selten. Das ist mehr als eine Atempause, dann bin ich in Kontakt mit meiner Kraftquelle. Denn dann ahne ich etwas von dem Wunder des Lebens, das jedem und jeder von uns geschenkt wird, die auf dieser Erde leben. Dann ahne ich, was es bedeutet, wenn in der Bibel steht, dass Gott durch das Einhauchens des Atems des Lebens aus jedem Menschen eine lebende Seele macht. (1. Mose 2,7)

Pfarrerin Katrin Berger

Pfarrerin Katrin Berger

Kirchengemeinde An der Bergkante, Minden, Hille & Bad Oeynhausen